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EIN GESPRÄCH MIT PATER GABRIEL ANLÄSSLICH SEINES BESUCHS IM REHABILITATIONSZENTRUM „DAS LAND DER LEBENDEN“ IN ČENEJ



 DAS LAND DER LEBENDEN BETRETEN  - FRIEDLICH UND BEIM GEBET

Ich habe die Reportage über den Besuch des Archimandriten Gabriel Vučković im Rehabilitationzentrum „Das Land der Lebenden“ im Dorf Čenej gelesen. Das Zentrum für die Resozialisierung der Suchtkranken  befindet sich  unter der Schirmherrschaft des Klosters Kovilj bei Novi Sad und unter dem Segen des Bischofs Irineos von Batschka und  des Vikar-Bischofs Porfirio von Erlau. In der Reportage wurde hervorgehoben, dass dieses Zentrum 6 Einheiten besitzt. In 5 Heimen befinden sich männliche Schützlinge und in einem Heim sind weibliche Patienten. Insgesamt werden ca. 150 junge Menschen hier therapeutisch betreut. Pater Gabriel, der Abt des Klosters Lepavina besuchte die Therapiestätte in Čenej bei Novi Sad.  Er fand dort  die Atmosphäre des Gebets und des Fleißes, den Ordnungssinn und gegenseitige Toleranz unter den Schützlingen.

 - Pater Gabriel, Ihre Begegnung mit den Schützlingen des Rehabilitationszentrums war sehr emotionsreich? Was ist für Sie als einen erfahrenen Geistlichen in dieser Begegnung signifikant? Sind sich die Schützlinge des Rehabilitationszentrums völlig ihrer gesundheitlich schwierigen Situation bewusst?

- Besonders hat mich der Besuch der Therapiestätte im Dorf Čenej beeindruckt. Ich habe nicht erwartet, dass dort eine stabile Hausordnung  herrscht und die Atmosphäre des Gebets und der Heiterkeit diese jungen Menschen erfüllt. Es handelt sich hierbei vorwiegend um Personen aus dem urbanen Milieu. Mein erstes Kontakt mit ihnen war rührend, denn sie haben mich als einen Geistlichen gleich akzeptiert. Sie kamen zu mir in Bescheidenheit und mit Respekt, um den Segen zu erhalten.

 
 

In Gegenwart ihres Geistlichen, Pater Branko Ćurčin und des Erziehers Žarko Srdanov, die sich mit Liebe um die Schützlinge kümmern, führte ich Gespräche in dieser Gemeinschaft. Es ging um Kloster Lepavina und unsere Missionsarbeit dabei. Die Fragen der geistigen und körperlichen Gesundheit wurden angesprochen. Es stellte sich jedes Mitglied der Gemeinschaft persönlich vor. Dabei  erzählten sie ihre Lebensgeschichte und wie sie in „Das Land der Lebenden“ kamen. Sie sind sich ihres Zustandes völlig bewusst. Jeder von ihnen hat einen starken Willen, gegen die Suchtkrankheit anzukämpfen. Deswegen sind sie  der Gemeinschaft beigetreten.
    
- Machen sie jemandem wegen ihrer Suchterkrankung Vorwürfe? Sind sie selbstkritisch?

-  Ich habe von niemandem gehört, dass er sich selbst rechtfertigt und einer anderen Person die Schuld für die eigene Sucht zuschiebt. Dennoch kann man nicht behaupten, dass es ihre alleinige Schuld ist. Sicherlich tragen sie einen Teil der Schuld, aber diese jungen Menschen sind vor allem Opfer. Die Hilfeleistung ist hierbei wichtig. Die Drogen sind heute schon in den Grundschulen zu finden. Die jüngsten Schüler werden schon  Opfer. Jemand produziert und verteilt diese Suchtmittel. Das ist ein ganzes Netzwerk.  Der Anfang des Netzwerks ist unbekannt und das Ende ist auf unseren Straßen. Die Drogen werden immer billiger und überall erhältlich. Die Drogenabhängigkeit unter den jüngsten Mitgliedern der Gesellschaft, die ungeschützt sind, ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.

- Was ist Ihrer Meinung nach die häufigste Ursache für diesen körperlichen und seelischen Zustand  bei Jugendlichen? Sind nur besondere soziale Gruppen  anfällig?

- Die Eltern, die  ihren Kindern in dieser Hinsicht völlig  vertrauen können, können sich als glücklich schätzen. Der Wankelmut bei solchen Versuchungen ist häufig. In unserer Zeit wirken auf die Kinder schon im frühen Alter die Medien, insbesondere das Fernsehen und das soziale Umfeld. Wenn in einer Gesellschaft das „wahre Leben“ mit guter Unterhaltung und Spaß gleichgesetzt wird, dann werden unter den Jugendlichen die Droge und der Alkohol als Stimmungsheber akzeptabel. Im späteren Verlauf endet das, was in Ahnungslosigkeit,  reiner Neugier und aus Spaß anfing,  oft im seelischen und körperlichen Leid.
 
Aufgrund der Enttäuschungen in dieser Welt, die voller Schmerz, Leid und Ungerechtigkeit sein kann, greift ein Mensch  manchmal auf die Drogen zurück. Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage nach den Ursachen dieses Phänomens. Die Drogenabhängigkeit sollte unter Einbeziehung verschiedener Faktoren erklärt werden. Es spielen sowohl soziale als auch psychische Faktoren hierbei eine Rolle. Wenn wir den Menschen in erster Linie als ein geistiges Wesen und Geschöpf Gottes  betrachten, dann wissen wir, dass ein Mensch vom Schöpfer abhängig ist. So kann die Drogenabhängigkeit und jede andere leidenschaftliche Abhängigkeit als eine bittere Frucht der Glückssuche und der Erfüllung außerhalb der göttlichen Vorgaben verstanden werden.
     
- Sehen sie die Ausmaße ihrer Abhängigkeit? Wie sehen Sie diese Ausmaße?
 
- Wenn wir  über konkrete junge Menschen aus dem Rehabilitationszentrum reden, dann  denke ich, dass ihnen ihre Position klar ist. Allein das Faktum, dass sie die Therapie gesucht haben und sich gegenwärtig im Rehabilitationszentrum befinden, zeugt von ihrem Bewusstsein hinsihctlich der Suchtproblematik. Die Phase als sie gedacht haben, dass sie alleine mit diesem Problem fertig werden können, ist vorbei. Ein Drogenabhängiger hat die innere Freiheit verloren. Er ist  körperlich und seelisch von seiner Drogenabhängigkeit versklawt worden. Diese Abhängigkeit ist ein geistiges Problem. Ein Drogenabhängiger kann sich von seiner Sucht dennoch befreien. Dabei können die Profis im Kampf gegen den Drogenmissbrauch und die Erfahrungen der ehemaligen Drogenabhängigen   sicherlich helfen. Die größte Hilfe wird von Gott kommen, wenn ein Mensch durch Reue den Frieden wieder findet. Die Gnade Gottes wird seinen Willen stärken, und so wird er den Kampf für die innere Freiheit bis zum Ende führen können. Der geistige Kampf mündet dann in der  Freiheit der Kinder Gottes.

- Was hat Ihrer Meinung nach  die Seele dieser jungen Menschen während des Gesprächs mit Ihnen am meisten berührt? Wonach sehnen sie sich?

- Nicht nur im ersten Augeblick, sondern auch in den späteren Gesprächen war ich von der Ruhe und der Harmonie dort beeindruckt. Mit meinen Mitarbeitern zusammen kam ich aus Belgrad nach Čenej. Angesichts dessen, dass wir in Belgrad dem typischen Lärm der Großstadt ausgesetzt waren,  erschien uns das Rehabilitationszentrum wie  eine  Oase des Friedens.
 


Die Schützlinge traten in Bescheidenheit auf. Alles war ruhig. Das war mein Eindruck. Ich hoffe, dass sie in dieser Gemeinschaft etwas gefunden haben, wonach sich ihre Seelen gesehnt haben. Jede Seele sehnt sich nach der wahren und unvergänglichen Liebe.  Unser Herr und Erlöser Jesus Christus ist diese wahre Liebe. Er ist unser Land der Lebenden. 

- Pater, haben diese Jugendlichen eine Zukunftsvision? Welche Wünsche haben sie geäußert?

- Diese jungen Menschen sind sehr sensibel. Sie  wissen, was sie wollen, und sie sind sich dessen bewusst, warum sie da sind.  Für manche von ihnen dauert der Aufenthalt im Rehabilitationszentrum länger. Ich bin mir sicher, dass sie eine Zukunftsvision vom neuen Leben ohne Drogen besitzen. Sie wissen, dass ihre persönliche Entwicklung sich nur durch Arbeit und Familie vollziehen kann. Gott helfe ihnen, dass dies  wahrhaftig geschieht und im Schutz der heiligen Kirche, in der wir alle, sowohl persönlich als auch gemeinschaftlich versuchen, das Land der Lebenden zu erreichen.

- Wieviel hilft in solchen Fällen die spirituelle Dimension?  Was denken die Schützlinge darüber?


- Ich weiß es nicht genau, was sie darüber denken, aber der Baum wird an seiner Frucht erkannt. Die Gemeinde steht bekanntlich unter der Schirmherrschaft des Klosters Kovilj.  Die Erzengel Michael und Gabriel sind die Schutzpatronen des  Klosters. Der Seelsorger Pater Branko kümmert sich um die geistige Dimension im Leben der Gemeinschaft. Jede Therapiestätte hat eigene Gebetsregeln eingeführt. Die Schützlinge zeigen Eigeninitiative diesbezüglich. Es steht ihnen eine Bibliothek mit der religiösen Literatur zur Verfügung. Sie lesen und führen geistige Gespräche. Das gesamte Leben in dieser Gemeinschaft ist von der spritituellen Dimension durchdrungen. Das ist klar erkennbar. Meiner Ansicht nach ist diese Dimension von größter Priorität für eine erfolgreiche Therapie.

- Brauchen wir solche Anstalten heute? Was empfehlen Sie den jungen Menschen, die gegen Drogenabhängigkeit kämpfen und was schlagen Sie letztendlich hinsichtlich der Prävention vor?

- Wenn wir uns zuerst die akuellen Statistiken über Suchterkrankungen und Rauschgiftabhängigkeit anschauen, dann wird deutlich, warum Therapieanstalten dieser Art notwendig sind. Alkoholismus und Drogensucht gehören zu den größten gesellschaftlichen Problemen auch in Russland. Um den  Drogenabhängigen zu helfen, sind dort  viele Geistliche und Priester engagiert. Ihre Erfahrungen könnten  hilfreich sein. Die Lehre der orthodoxen Kirche über den Kampf gegen die Begierden und Leidenschaften ist hinsichtlich des Zugangs zum Phänomen  der Suchterkrankung sehr wertvoll. Diese Bedeutung dieser Lehre kommt gerade in  diesen Therapieeinrichtungen zum Ausdruck.

 An zweiter Stelle kommt der Kampf gegen sich selbst. Die Bekämpfung des eigenen schwachen Willens, der einen Drogenabhängigen tyrannisiert, ist der schwierigste Kampf. Die Aufgabe des mirkosozialen Umfelds besteht darin, die Hilfe dabei zu leisten sowie Liebe und Solidarität zu zeigen. Letztendlich trifft das Individuum die Entscheidungen selbst. Vor allem müssen die Suchtkranken an etwas festhalten können, da sie sonst keine  Motivation haben.  Sie müssen  einen Grund finden, warum es sich lohnt, gesund zu sein. Ansonsten wird der Prozess der Genesung gar nicht in Gang gesetzt. Wenn sie akzeptieren, dass im Kampf um das ewige Leben und für das Leben der unsterblichen Seele ein Grund besteht,  können sie die Ursache, den Sinn und die Motivation  für  ihr neues Leben  finden.

An dritter Stelle kann man diesen jungen Menschen dieselbe Botschaft wiederholen, die von der Kirche an  ihre Mitglieder in der Fastenzeit gesandt wird:“Passt auf euch auf!“ Wenn uns etwas als  gut erscheint, uns temporär Vergnügen bereitet und wir uns davon angezogen fühlen, bedeutet es nicht, dass es schließlich ein gutes Ende für uns bringt. Leider Gottes ist die Suchtkrankheit schwer heilbar. Viele Menschen scheitern im Kampf gegen diese Krankheit. Die Erfahrung der Drogenabhängigen zeigt, dass die Einnahme der Rauschmittel schnell  zur Abhängigkeit führt. Gottes Hilfe und große Opfer werden vom Betroffenen und seinen Nächsten abverlangt, wenn ein  Genesungsprozess erflgreich in Gang gesetzt werden soll. Das Wissen um die Folgen der Einnahme der Rauschmittel und ein entschiedenes „Nein“ zu Drogen im richtigen Augenblick können einem jungen Menschen  jahrelange Irrwege und Leiden ersparen.

Das Gespräch führte  Tankosava Damjanović 
22. 1. 2013.
 
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KOMMENTARE ZUM INTERVIEW

 

Žarko Srdanov (Erzieher), Pater Gabriel (Abt des Klosters Lepavina) und ein Schützling 
 

Bojana Srbljak
 
Grüß Gott Pater Gabriel! Ich bitte um Segen! Einer der Väter der Kirche sagte, dass nur diejenigen, die hingebungsvoll beten, mit ihren Reden und Ansprachen die  Seele  des Gesprächspartners berühren können.  Jedes Wort Ihres heutigen  Gesprächs mit Frau Damjanović hat uns tief beeindruckt und zum Nachdenken bewegt. Ich wünschte, ich könnte die schönsten Worte  finden, um Ihr  geistiges Engagement auch in diesem Fall zu loben,  aber ich weiß auch, dass Sie keine  "Belohnung" von den Menschen erwarten. Deshalb sage ich nur: „Gelobet sei der Herr!“ Möge der Herr uns beim Verfolgen Ihres Vorbildes im Praktizieren der tätigen Liebe  führen, denn  unsere Worte und Taten sollten dem Ideal des Mitgefühls und der Solidarität  verpflichtet sein.

 
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Nenad Badovinac

Jugendliche und Erwachsene, die im "Land der Lebenden" behandelt werden, bringen  Pater Gabriel viel Vertrauen entgegen. Was ihren Alltag  betrifft,  bewundert Pater Gabriel  bei ihnen die Ruhe, den Ordnungssinn und die Gebete.  Die vollkommene Befreiung von der Suchterkrankung geschieht sehr selten, aber eine Hoffnung für diese jungen Menschen drückte  Pater Gabriel im Gespräch mit Frau Damjanović aus, indem er die möglichen Alternativen in der Lehre der christlichen Orthodoxie anführte. Es ist also ein echtes Licht der Hoffnung da. Der innere Frieden und die Gebete, die für diese Gemeinschaft charakteristisch sind, könnten sich als die richtige geistige Basis im erfolgreichen  Behandlungsprozess der Suchterkrankungen herausstellen.  Hinzu kommt das indviduelle Potential in jedem Schützling. Trotz der Sucht agieren sie  als  sehr starke und mächtige Kämpfer angesichts der Herausforderungen des Lebens.

 
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Radomir Vučić

Niemand kann heute  behaupten, dass er völlig unabhängig ist. Vom Reich der Freiheit träumt  seit Jahrhunderten die Menschheit. Ein hohes Maß an persönlicher Unabhängigkeit ist für jeden Menschen erstrebenswert.  In den Ketten der Laster und Ängste leben viele Menschen seit ihrer Kindheit. Von einer wahren Freiheit kann also keine Rede sein. Ganze Gemeinschaften existieren auf der Basis  gegenseitiger Abhängikeiten und Interdependenzen. Sogar die geistigen Kräfte und Ideen haben ihre Beziehungsgeflechte und dabei ist nicht alles logisch konsistent, wie es im ersten Augenblick erscheint. Die Menschen gesellen sich auf Grund gemeinsamer Affinitäten, Interessen und Motivationen. Die Beweggründe können gut oder schlecht sein. Unter welchem moralischen Vorzeichen eine Gruppe entsteht, entscheidet die Mehrheit einer Gesellschaft. Was gesellschaftlich akzeptabel ist und wo  die extreme Form der Abhängigkeit vorhanden ist, das entscheidet die breite Gesellschaft. Das gilt auch für die Diagnose der Suchterkrankung. In einer bestimmten Gesellschaft, auf einer bestimmten Lokalität, zu einer bestimmten Zeit gilt etwas als normales Verhalten.  Andere Verhaltensweisen werden dagegen abgelehnt. Das Thema der Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen wird anders in einem Indianermilieu in Lateinamerika behandelt als hierzulande. Bekanntlich haben die Indianer Rauschmittel für kultische Zwecke verwendet. Alkoholische Getränke sind nach der Lehre des Islams verboten  und ihre psychoaktive Wirkung ist zweifellos. Im Norden, in der kälteren Klimazone ist Alkohol kein Tabu, obwohl die psychoaktive Wirkung niemand anzweifelt. Die Verbote  und Akzeptanzen hängen diesbezüglich von verschiedenen Kontexten ab. Wir würden uns wundern über zwei verschiedene Anblicke. Der Anblick  einer ganz „normal“ funktionierenden Person aus dem Mittleren Osten beim Rauchen von  Haschisch und einer anderen, ursprünglich aus der westeuropäischen Zone stammenden  Person beim Rauchen von Marihuana ist oft diametral verschieden. Der Europäer verhält sich dabei, als ob er drei Liter Alkohol getrunken hätte. Ein Russe oder ein Schwede, die in der Kälte der Subpolarzone einen halben Liter Alkohol austrinken, befinden sich nicht im Trancezustand. Eine Person aus dem Mittleren Osten würde bei der gleichen Menge von alkoholischen Getränken wahrscheinlich sein Bewusstsein verlieren. Über diese beobachteten Tatsachen sollten wir uns Fragen stellen, wenn wir über bestimmte soziale Probleme nachdenken. Die Farmakologie  verwendet  manche  Substanzen nach ihren Maßen. Andere Mengen dergleichen Substanz sind verboten und werden als suchtfördernde Substanzen betrachtet. Wenn man von einer Schlange gebissen wird, wird das Gegenmittel vom gleichen Schlangengift hergestellt. Über Einflüsse des Klimas, des Reliefs und der Ernährung auf mentale Strukturen, die Charakterologie von Gruppen und das menschliche Temperament und letztendlich auch auf die Formierung von Gemeinschaften wird seit langer Zeit gesprochen. Der französiche Philosoph und Aufklärer, Montesquieu schrieb ausfürhlich darüber in seinem Werk Vom Geist der Gesetze / De L'esprit des Loix.

Gleich nach dem Ende seines Aufenthalts im Krankenhaus in Belgrad, fuhr Pater Gabriel in „Das Land der Lebenden.“ Das ist eine interessante Reise, denn Pater Gabriel kennt die Methode, wie man durch die Änderung einer Liste der Gewohnheiten, alte Gewohnheiten aufgibt und so ein Heilungsprozess in Gang gesetzt wird. Unabhängig von klimatischen und sonstigen Bedingungen kennt er die geistige Methode des Lebenswandels. Das ist in Einklang mit den Zielen und der Programmatik des Rehabilitationszentrums. Die Schützlinge werden dort primär geistig nach dem Muster der biblischen Davids Armee diszipliniert. Sie verlassen (nach gesellschaftlichen Maßstäben)  extreme Lebenszustände und werden ganzheitlich therapiert. Der freie Wille jedes einzelnen Patienten bestimmt die Ergebnisse im Prozess der Genesung. So erfahren wir, wie das Tagesprogramm im Heim abläuft. Sie stehen um 6:30 Uhr morgens auf. Nach dem Frühstück fangen sie an, die jeweilige Tagesaufgabe zu erledigen. Nach dem Mittagessen haben sie Freizeit. Sie lesen entweder Bücher, oder sie haben sportliche Aktivitäten. Der ganze Tag ist mit Inhalten erfüllt. Sie beschäftigen sich mit der Schnitzerei, Lamellierung von Ikonen, mit Landwirtschaft und anderen Aktivitäten außerhalb des Hauses. In der Reportage erfahren wir, dass mit dem Segen von Pater Branko das Wappen Serbiens im Holzschnitt von einem Schützling  als Geschenk an Pater Gabriel überreicht wurde. Diese Gemeinschaft hält sich an das Motto „ora et labora.“
Jede Abhängigkeit ist immer noch eine Abhängigkeit. Das wissen alle, die von einem bestimmten Faktor im Leben abhängig sind. Deshalb sollten wir Verständnis für diese jungen Menschen aufbringen. Sogar psychisch und physisch „völlig“ gesunde Menschen sind beispielsweise von der Nahrung abhängig. Es ist uns nicht gleich, ob wir gewürzte oder ungewürzte Kost auf den Tisch serviert bekommen. Vor nicht langer Zeit während der Feier des Dreikönigsfestes warteten auf vorbildliche Weise in einer Reihe aufgestellt hunderte von Gläubigen vor einer Kirche auf das Weihwasser. Das Wasser wurde zuerst in einem Tank geweiht, danach daraus gegossen und in Flaschen an die Gläubigen verteilt. Die Stadt war an dem Tag verschneit. Es lag in Form von Schnee überall Wasser in der Stadt herum. Hätte dieses Bild ein Atheist im Vorbeigang an der Kirche gesehen, hätte er sich über die Ausmaße der Verzauberung  hunderter Gläubigen gewundert, denn sie warteten ganz ruhig und friedlich in der Kälte auf das Wasser, welches übrigens in unbeschreiblichen Mengen in der Stadt vorhanden war. Die Liebe, der Glaube, Respekt und Ehrfurcht hielten diese Menschen an einem Platz zusammen, obwohl überall Wasser lag. Für den Atheisten waren sie im Bann der magischen und religiösen Formeln. Sie standen in der Kälte verzaubert da.

Die Überzeugungen  zeigen, was wertvoll ist.  So können wir die Rolle des  Marketings und der Werbung in unserer Zeit auch erfassen. 2000 Jahre der kirchlichen Erfahrung erklärt viele moderne Phänomene. Sie werden plausibel. Eine weitere Perspektive bietet die Szene, wo  Menschen mitten im Meer schwimmen. In einer Hand halten sie leere Flaschen. Im offenen Meer füllen sie diese Flaschen mit Meereswasser. Danach schwimmen sie wieder zurück.

Wir stellen uns ein Bld vor, das Bild der Indianer, die Pfeifen rauchen und sich dabei mit tiefster Überzeugung einreden mit dem Großen Geist, Manitu kultisch zu kommunizieren. Während des Dreikönigsfestes erinnerte ich mich an die Worte aus dem Evangelium: „Wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.“ (Mk 16,18)

Einst las ich auf der Webseite des Klosters Lepavina  einen Text über eine christlich-othodoxe Gemeinde in der Nähe von Tschernobyl. Es handelte sich um die Rückkehrer in das radioaktiv verseuchte Gebiet. Obwohl die Radioaktivität erhöht ist, leben diese Menschen ganz normal dort, wo andere Menschen mit weniger starkem Glauben schnell sterben würden. Die Kinder werden gesund geboren. Die Radioaktivität zeigt keine Wirkung. Die Kraft des Glaubens und der Liebe können dieses wunderbare Phänomen erklären. Genauso wie die jungen Menschen im Rehabilitationszentrum hängen wir alle von der Liebe ab.  Gott ist die Liebe, und das ist universell von allen Völkern, Konfessionen und Geschichtsschreibungen anerkannt. Das ist also der höchste Wert und die höchste Wahrheit. Wer kann der Liebe wiederstehen? Wenn unser Herz von einer Reinheit berührt wird, sogar wenn das gegen andere und von uns anerkannten Prinzipien wiederstrebt, kann ein Mensch da nicht wiederstehen. Diese Reinheit der Herzens sagt dann über die Relativität aller anderen Prinzipien etwas aus. Das Göttliche kann sich zwar auch auf andere Weisen manifestieren. Es ist nicht immer die Liebe. Möglicherweise haben diese jungen Menschen einst einen so starken Stich der Liebe erlebt, und danach konnten sie nie mehr etwas äquivalentes zu dieser Liebe finden. Alles wurde relativ in dieser unbeschreiblichen Einsamkeit. Nun versuchen einige von uns das Gewicht ihrer Schuld und der Sünde  zu bewerten und zu messen. Die Liebe kann das überwinden und steuern. Mit dem Herz ist es möglich. Das Unmögliche ist möglich. Schauen wir uns die Gemeinschaften der Suchtkranken an. Es ist nicht gleich, ob ein Drogenabhängiger Kokain-, Marihuana oder Heroinabhängig ist. Kokain wird beispielsweise auch von manchen Geschäftsleuten, die unter Erfolgsdruck stehen, verwendet. Diese Droge wirkt wie ein Motor, dort wo viel Spannung existiert und mit Risiko umgegangen wird. Kokain macht zeitweilig Mut. Das geschulte Auge kann die Typen der Drogenabhängigkeit erkennen. Die Blicke der Personen können nach der Sorte der Droge, die eingenommen wurde, unterschieden werden.  Ob ein Mensch die Droge genommen hat, das Fleisch gegessen hat, ob er ein Vegetarier ist, oder eine Kommunion gerade empfangen hat, alle diese Details sind am Blick eines Menschen erkennbar. Was sagt das aus? Das bedeutet nur das Menschen individuelle Wesen sind. Jeder Mensch ist einzigartig. Die Menschen versammeln sich in einer Gruppe nach dem Kriterium der Tugend und des Lasters. So sehen es die Moralisten.

Beachtet man die Tatsache, dass eine Gesellschaft sich um ihre ersten und letzten Mitglieder auf der Sozialleiter kümmern sollte, wenn sie eine dauerhafte Überlebensfähigkeit  sichern möchte, so ist auch die Resozialisierungstendenz verständlich in dem Augenblick, als der gesellschaftliche Zusammenhalt zu scheitern droht. Die vom Ausschluss bedrohten Mitglieder, die das schwächste Glied einer Gesellschaftskette darstellen, sollen wieder integriert werden. In diesem Kontext können wir das Unternehmen der Resozialisierung der Suchtkranken verstehen. Das Bewusstsein für ihre Hilfebedürftigkeit wäre viel höher, und die Einsätze des Staates um ihre Integration viel intensiver, hätte man die Suchterkrankung und ihre sozialen Folgen als  gesellschafts – und sicherheitsbedrohlich eingestuft.

Wenn in der Welt der Drogenabhängigkeit ein Drogenkonsument und ein Dealer in einer „Symbiose“ existieren, dann sollte im Prozess der Therapie eine  Umkehrung stattfinden. Gerade das geschieht in dem Rehabilitationszentrum „Das Land der Lebenden,“ denn jeder Schützling bekommt beim Eintreten in die Therapiestätte einen „Engel“, der ihm in der Anpassung an neue Lebensumstände hilft. Auf der Hierarchieebene über dem „Engel“ ist der Superintendant bzw. der Supervisor positioniert. Diese Rolle übernimmt im Rehabilitationszentrum der Pfarrer bzw. ein Mönch aus dem Kloster Kovilj.  Über dem einfachen Mönch steht dann der Bischof. Da die Freiheit des Menschen die erste Würde darstellt, da sie ihm schon am Anfang gegeben worden ist, würde all dies nicht funktionieren, wenn die ehemaligen Suchtkranken nicht eine persönliche Entscheidung treffen würden, um ihr Leben zu ändern.  Freiwillig akzeptieren sie eine ganze Systematik der Sanktionen. Wenn ein Mitglied die Normen verletzt und zum Beispiel schimpft, dann wird ihm eine Sanktion erteilt.  An einem Brett wird sein Vergehen aufgezeichnet. Danach folgt Abwasch und Putzen als „Strafe“. Ein Schimpfwort wird beispielsweise mit einem eintägigen Geschirrabwasch gestraft.  Der Abwasch ist mit dem logischen Prozess der geistigen Reinigung im Einklang.

Pater Gabriel signierte die Rückseiten der kleinen Ikonen der Allerheiligsten Gottesgebärerin von Lepavina und verteilte sie an die Schützlinge des Zentrums. Symbolisch ist das als die Erteilung des Segens und als ein Zeichen der Gnade für diese jungen Menschen zu deuten.

Der Kaffe und Kuchen, die Pater Gabriel im Rehabilitationszentrum angeboten wurden und dort in begrenzten Mengen konsumiert werden, passen zum Konzept der Umerziehung. Alles ist sehr bescheiden und auf das Wesentliche reduziert. Maßvoller Genuss hält fit. Fein und lieblich ist's, dass Brüder einträchtig beieinander wohnen. Jeder Mensch hat als  soziales Wesen ein Beürfnis danach. Wenn er keine Antwort auf die Liebessehnsucht bekommt, sucht er die Antworten in anderen Welten.  Oft ziehen ihn diese anderen Welten  in einen dichten Dschungel, aus dem die Seele später vergeblich nach einer Rückkehr sich sehnt. Viele Schützlinge entstammen dem urbanen Dschungel. Manche sind im Ausland aufgewachsen. Viele von ihnen sind hypersensibel und talentiert. Diese Talente sind eine kostbare Gabe. Sie hätten große Denker, Handwerker und Künstler werden können.  Kann daraus noch was werden? Immerhin sind sie so von gewissen Eitelkeiten frei. Ein Schützling sagt in einem Moment, dass er sich mit dem eigenen Egoismus konfrontieren musste, denn gerade der Egoismus hat ihn in die Drogenabhängigkeit gedrängt. Das Ego und seine Macht wirken oft in motivierender Weise. Das  Bedürfnis eine geformte Persönlichkeit zu haben, ist im Grunde positiv, und diese positive Motivation kann im Falle eines Suchtkranken umgeleitet werden und zum Heilungsprozess führen. Pater Gabriel erkennt diese Möglichkeit.

Viele dieser jungen Männer behaupten, dass sie  isoliert vom Rest der Welt sind. Zugleich empfinden sie ein starkes Zugehörigkeitsgefühl für diese Gemeinschaft. Dort erfahren sie wie man lernt, wie man sich auf jeden Tag freuen kann, wie man zu jedem Vertrauen aufbauen kann,  wie man Liebe artikuliert und im Gegenzug nichts verlangen muss, wie man  gegenseitigen Beleidigungen aus dem Weg geht. Vom Standpunkt der marktwirtschaftlichen Prinzipien heruasgesehen, sind diese jungen Menschen äußerst kostengünstig, denn sie besitzen die Gaben, und sie können sich begeistern. Sie äußern in einer bestimmten Rehabilitationsphase  einen so starken Lebenswunsch, als ob sie wieder geboren wurden. Diese  städtischen Kinder erneuern ihre Lebenskraft in unbewohnten Orten in der Natur. Wenn wir alle diese Reha-Zentren uns anschauen, sehen wir, dass sie in Dörfern und außerhalb  der Metropole sich befinden. Sie bewohnen entvölkerte  Gebiete.

Nach der körperlichen Entgiftung folgt also die Revitalisierung, Rehabilitation und Resozialisierung. Die Kirche betrachtet jede soziale Gruppe als ein Teil der kirhclichen Gemeinschaft. Die Rolle der Kirche ist hierbei richtungsweisend. Die Kirche soll mit Rat und Tat die Schützlinge fördern. Pater Gabriel behauptet, dass sich jedes Mitglied der Gemeinschaft  seines Zustandes bewusst ist. In der Willenskraft, die Sucht zu bekämpfen, sieht er den Grund, warum sie der Gemeinde beigetreten sind. Das erinnert uns an das Wesen der  Gemeinschaftsbildung. Als dann im Gespräch nach dem Besuch des Rehabilitationszentrums Pater Gabriel  nach der Schuldzuweisung befragt wurde, erklärte er, dass er von keiner Schulzuweisung der Betroffenen gehört habe.  Die Schützlinge sind selbskritisch und realistisch. Sie betrachten eigene Fehler. Die Fehler der Gesellschaft zu erkennen, würde in dieser Phase für sie keinen Nutzen bringen. Es war vielleicht nicht nötig, diese Fragen zu stellen. Es ist vor allem wichtig, dass  diese sensiblen Seelen von uns unterstüzt werden, falls sie ihr Leben ändern wollen. Wir sollten sie aber auch nicht vergessen, falls sie sich anders entscheiden und den Kampf gegen die Sucht aufgeben. Darin ist man sich mit Pater Gabriel einig.
 
Übersetzg. ins Deutsche v. Radomir Vučić

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ARCHIMANDRITE GAVRILO

Liebe Besucher unserer Webseite des Klosters Lepavina! Aufgrund der hohen Besucheranzahl unserer Webseite, fühle ich mich geehrt die Verantwortung zu übernehmen, Ihnen unterschiedliche Ereignisse aus der serbisch orthodoxen Kirche und des Klosters Lepavina auf Deutsch zu beschreiben. Wir möchten Sie gerne darüber informieren, dass wir auch einige deutsche Texte über verschiedene Themen, die bei anderen orthodoxen Websites zu finden sind, demnächst auf unserer Website präsentieren werden. Ich hoffe sehr und glaube daran, dass der Herr mir dabei helfen wird.

Mit dem Segen des Herrn, aus dem Kloster Lepavina, Archimandrit Gavrilo

Krst
Njegovo Visokopreosvestenstvo Mitropolit G. Porfirije

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Otac Gavrilo

BIOGRAFIJA OCA GAVRILA

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