MANASTIR LEPAVINA - SRPSKA PRAVOSLAVNA CRKVA

NASLOVNA NOVO NA SAJTU GALERIJA RADIO BLAGOVESTI KONTAKT

DIE KARULJA: WAS IST DAS?



 
So bekam die „KARULJA“ ihren Namen: 
 
Sehen Sie sich die Bildergalerie an 
 
„Mit großer Geduld mühen sich diejenigen, die dort leben, damit ab auf- und abzusteigen. Sie leiden um Gottes willen und um das ewige Leben zu verdienen! (...).“ So beschrieb Vasilije Grigorijevič-Barski die Karulja.
 
„Von da aus etwa eine halbe Stunde zu Fuß in Richtung Osten befindet sich der dritte Ort mit den Skiten, den man Karulja nennt. (Anm.: Skite sind eine Art Kloster-Siedlung in der Mönche jeweils einzeln in Gebäuden in Askese leben). Der Weg, der bis dorthin führt, ist beschwerlich und schrecklich. Noch nie sah ich einen derartigen Weg auf meinen Reisen: Denn man muss etwa eine viertel Stunde lang mit Händen und Füssen zwischen Angst einflössenden Steinschluchten, die sich über dem von unten heraufleuchtendem Meer befinden, hinaufklettern. Dabei flimmert einem das Herz. Und jeder, der hier hinaufklettert muss äußerst Acht geben um nicht auszurutschen und nicht in den Abgrund zu stürzen. Diejenigen, die dort leben, steigen mit großer Geduld täglich hinauf und wieder herab. Sie leiden um Gottes willen, um das ewige Leben zu verdienen! (...)“. So beschrieb Vasilije Grigorijevič-Barski die Karulja.
 

image

 
 
Wir aber gelangen auf einem anderen Weg auf die Karulja. Es ist nicht der Weg, den Barski ging: Denn er brach von der Skite der Heiligen Ana aus auf. Wir jedoch gehen an der „Kleinen Ana“ vorbei und kommen so zu einem kleinen Beton-Vorsprung beim Hafen. Hier halten die Schiffe, die aus Dafne auf dem Weg nach Kavsokaliviju sind. Dies ist der gemeinsame Hafen der Karulja und der Katunaki. Letztes Jahr kamen wir auf diesen, man kann es legendären Boden nennen, über den wir schon viele Geschichten hörten, und den wir uns in gewisser Weise auch geistlich vorstellten.



image
Vater Stefan von der Karulja 
 
Fast direkt am Hafen empfing uns ein ungewöhnlicher Mönch. Über seine Kleidung waren wir besonders verwundert. Wenn die Bewohner des Heiligen Berges Athos reisen, dann falten sie die Enden ihres Talars (Anm.: Mönchsuntergewand, serb. „podrjasnik“) an den Gürtel. Denn an einigen Stellen kann es sehr leicht passieren, dass man sich mit seiner Kleidung verheddert, und deswegen in irgendeinen Abgrund fällt. Es war schwierig zu erkennen, ob dieser Mönch einen Talar besaß, weil darunter die Hosenbeine einer Sporthose zu sehen waren, die man in Russland aus irgendeinem Grund Trainingsanzug nennt. Und zusätzlich dazu sah er so aus, als ob er keine Verpflichtungen hätte. Er stand neben uns. Und irgendwie regte er sich leise in mitten von uns, dadurch dass er die Gesprächspause durch irgendwelche Ausrufe unterbrach. 
Wir kamen nicht gleich darauf, dass vor uns der bekannte Archimandrit Stefan steht, den die Bewohner der Karulja den Namen „papa-kralj“ gaben. Bekannt wurde diese Bezeichnung aufgrund der verwirrenden Prophezeiungen von Vater Stefan, er werde der König von Serbien sein; und zu ihm werde man entweder mit dem Flugzeug fliegen oder mit dem U-Boot tauchen.
Es versteht sich von selbst, dass dies niemand glaubte, obwohl man Vater Stefan wegen seinen vorherigen Aufopferungen, die nicht die Frucht von Phantasien sind, sehr schätzte. Er, Vater Stefan, war der wichtigste und langjährigste Bewohner der Karulja. Wahrscheinlich kann kaum jemand genau sagen wieviele Jahre er hier verbrachte. Noch schwieriger ist es sein Alter festzulegen. Aber Mönche mögen es nun mal nicht, wenn man ihnen unnötige Fragen stellt. Und aus diesem Grund kann kaum jemand sagen wie alt er ist. Aber wahrscheinlich ist er schon sehr alt, da der heutige Patriarch Pavle (Anm.: + 15.11.2009) Diakon bei Vater Stefan in Serbien war. Darüber hinaus weiß man über Vater Stefan, dass er in der Armee der Tschetniks diente. Das war vor mehr als fünfzig Jahren. Schließlich verstanden wir endlich wer vor uns stand, weil er so groß war und lange ergraute Haare hatte. Man sagt, er sei sehr kräftig in seiner Jugend gewesen. So sahen wir ihn auch auf den Fotos. Und so beschrieben ihn uns unterschiedliche Menschen, die uns vom Heiligen Berg Athos erzählten. Bald wurde uns der Grund der Zerstreutheit des Ältesten klar. Drei Tage vor unserer Ankunft brannte seine Mönchszelle gemeinsam mit der Kirche und der großen Bibliothek völlig aus. Es ist bekannt, dass Vater Stefan in seiner Mönchszelle den Reliquien-Schädel des Nikodim von der Karulja brachte. Man weiß nicht, ob diese nach dem Brand erhalten blieb. Das werde er uns später erklären. Als auch die Tatsache, dass vor Vater Stefan in der ausgebrannten Mönchszelle Vater Sofronije (Saharov), der ein bekannter Autor des Buches über den ehrwürdigen Siluan ist, lebte. Später sahen wir „papa-kralj“ auf dem Schiff, das nach Dafne fuhr. Damit verließ er den Heiligen Berg Athos. Aber ein junger serbischer Bewohner der Karulja brachte ihn wieder zurück. 
Auf dem Schiff war Vater Stefan im Zentrum der Aufmerksamkeit. Und eine große Anzahl der Reisenden, unter denen auch Fremde waren, eilten zu ihm. Dabei zeigte er allen ein Foto aus einem Kalender auf dem man serbische Soldaten sah, und daraufhin kommentierte er dies kurz in serbischer Sprache. Wir dachten, er würde seine Mission in Serbien beginnen. Aber das tat er nicht in diesem sondern im darauf folgenden Jahr, nachdem es zum wiederholten Brand kam, der alle baulichen Anstrengungen endgültig zunichte machte.
 
  
Vater Stefan der Serbe von der Karulja
Sehr schnell nach seiner Abreise erreichte uns die Nachricht, „papa-kralj“ hätte in Serbien einen damaligen Bischof unter Verwendung „von körperlichen Mitteln“ belehrt. Wahrscheinlich hatte dieser Bischof Bedarf nach einer derartigen Lektion.
 
Um die Geschichte über „papa-kralj“ zu beenden, möchten wir natürlich verdeutlichen, dass sein Verhalten und seine Geschichten sowohl Bewunderung als auch Schmunzeln auslösten. Dennoch sollte man es nicht vergessen, dass er unter den Bewohnern der Karulja derjenige Eremit ist, der sich dort am längsten aufhält. Und so erwarten die Mitglieder der freien Karulja-Bruderschaft seine unausweichliche Rückkehr und zweifeln überhaupt nicht daran. Und unabhängig von irgendwelchen Vorfällen betrachten ihn die Bewohner der Karulja als einen Eremiten. Aber ob dies so ist, dass ist Gott und nicht uns Sündigen bekannt. Es ist wahr, ich erfuhr erst später davon, dass Vater Stefan an der in der Welt verbreiteten Krankheit Sklerose erkrankte. Desweiteren sollten wir nicht auf seine Rückkehr aus dem serbischen Kloster hoffen, in dem er unter der Aufsicht seiner Cousinen (die Nonnen waren) gepflegt wurde. Während dieser zwei Begegnungen schafften wir es nicht mit Vater Stefan zu sprechen. Entweder weil der Eremit nicht mehr die serbische Sprache verstand, oder weil wir - aus einem uns unbekanntem Grund - nicht darauf insistierten. Ich möchte hinzufügen, dass viele Mönche vom Heiligen Berg so betrachtet wurden, als wären sie in Versuchung geraten (…). (1)
 
Als wir ihn das zweite Mal besuchten erwartete uns eine traurige Nachricht, die uns noch mehr verbitterte: Eine der besten/ schönsten Kirchen auf dem Heiligen Berg Athos – die Kirche des Heiligen Inokentije von Irkutsk war ausgebrannt. Sie hatte einen Hilfsaltar, der dem ehrwürdigen David von Solun gewidmet war. Es war die Mönchszelle von Vater Simeon. Bei unserem zweiten Besuch trafen wir ihn schon in Dafne. So wie immer, kam es zu einem freudigen gegenseitigen Kennenlernen. Ich machte mindestens schon vier Mal mit Vater Simeon Bekanntschaft. Und jedes Mal würde er mich mit großem Interesse ausfragen. Offensichtlich ist das eine Charakteristik aller Mönche vom Heiligen Berg. Wegen ihrer ausgewogenen Lebensweise und überhaupt wegen der kleinen Anzahl von Pilgern aus Russland, kann man von den Mönchen vergessen werden, sogar wenn man innerhalb von einem Jahr wiederkommt. Nur schwer erinnern sie sich an eine Person. Das hat nicht das Geringste mit einer Art taktischer Listigkeit zu tun, sondern ist vor allem Beweis für die Entfernung der Mönche von der (übrigen) Welt. Und es kann auch ein Zeichen von Übermüdung aufgrund des zu geringen Schlafes sein.
Wieder fahren wir an den steilen Klippen vorbei, an denen kaum von weitem sichtbar die sehr schönen kleinen Mönchszellen von der Karulja erkennbar sind. Vor hundert Jahren fuhr hier ebenso ein Schiff vorbei, von dessen Bug aus ein russischer Mönch mit Bewunderung auf diese Mönchszellen schaute. Daneben stand ein Deutscher, der sich überhaupt nicht wunderte, sondern einfach nicht glauben konnte, dass dort Menschen leben. Kann man denn in so einer Mönchszelle über so einem tiefen Abgrund überhaupt wohnen? Offensichtlich konnte der russische Mönch deutsch und begann eine Diskussion mit ihm. Er fing an ihn davon zu überzeugen, dass dort in der Tat echte Mönche wohnen. Und auf einmal wurde ihre Diskussion auf eine ungewöhnliche Art und Weise beendet. Denn aus einer kleinen Tür erschien draußen ein mit ergrauten Haaren bedeckter Kopf eines Eremiten, den ein langer weißer Bart schmückte. Die Zweifel des Deutschen waren besiegt.
 
 
In der Kirche des Heiligen Inokentije von Irkutsk
 
Wir helfen Vater Simeon dabei die vielen Pakete für die Bewohner der Karulja aufzuladen. Dabei sprechen wir darüber, wie wir bei unserem Besuch im letzten Jahr nicht einmal die erste Kirche betreten haben. Und wir hoffen dies bei unserem zweiten Besuch zu tun, falls der Herr uns den Weg für diesen Besuch eröffnet. Diese Kirche wurde vom bekannten Eremiten und Shimönchen Inokentije Sibirjakov erbaut, der ein ehemaliger sibirischer Goldhändler war, und der 1901 verstarb. Er leistete große Hilfe beim Aufbau der Andrej-Kirche, die ein Jahr vor dem Tod von Vater Ikontenije fertig gestellt wurde. In den Beschreibungen der Skite wird auch das Grab dieses Vaters, das sich neben der Skite befindet, erwähnt. Sogar die Schönheit dieser Kirche von der Karulja kann man sich vorstellen. Aber leider kann man sich diese jetzt nur noch vorstellen. Danach lebte in dieser Mönchszelle ein anderer bekannter Eremit – Vater Partenije. Sicherlich könnten wir uns an dieser Stelle auch ein wenig an ihn erinnern. Aber aufgrund der langen vergangenen Zeit und des fehlenden Arbeitswillens Informationen aufzuschreiben sind viele dieser Informationen verloren gegangen (…). Aber sein Lebenslauf, der an diesem Ort zu Ende ging, an dem keine Geburten stattfinden, sondern an dem man nur noch sterben kann, könnte ohne Zweifel den Paterik des Heiligen Berges verschönern. Man weiß lediglich, dass er ein großer Fürst (2) war. Und nach seinen eigenen Erinnerungen spielte er in seiner Kindheit mit dem zukünftigen griechischen König Georg II. Viele Mönche vom Heiligen Berg Athos empfanden bei ihm etwas, das so etwas war wie wenn ein nicht weltlicher und besonders schöner Wohlgeruch (…) von ihm ausging. Es sind also nur zwei Tatsachen, die wirklich über ihn bekannt sind. (…) Aber welche Dinge waren da noch? (...) Man kann nur versuchen diese zu erraten: Die innere Ruhe, die freiwillige Armut und die vielen Aufopferungen der Askese.
 
„Als er mir die kleine Tür seiner Mönchszelle öffnete, da sah ich ihn vor mir stehen als wäre er ein Symbol des Sieges über den diesseitigen irdischen Ruhm und Eitelkeit/ Selbstgefälligkeit. Er hatte eine aristokratische und gut wirkende Figur, die in ein zerrissenes Mönchsgewand gehüllt war“, so beschreibt ihn Archimandrit Heruvim in dem Buch „Der Garten der Mutter Gottes“. In dieser Mönchszelle lebte nach Vater Partenije zuerst Vater Simeon als Eremit und danach der Priestermönch Vater Serafim. Er war gebürtig aus dem fernen Osten und auch Vater Simeon, der heute so eine Tragödie erlebt, war sein Schüler.
 
Der ehrwürdige Kopf des Ältesten Teodosije
 
Wir steigen weiter hinauf und schaffen es in die Mönchszelle von Vater H. Als wir ihn das erste Mal dort besuchten, trafen wir ihn nicht an. Aber jetzt ist er da. Mit Freude empfängt er uns. In seiner Mönchszelle erwartet uns eine freudige Überraschung. Wir entdeckten den Kopf des bekannten Ältesten von der Karulja – des Shi-Archimandriten Teodosije. Er war der ehemalige Referent der Geistlichen Akademie von Kasan. Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts kam er auf den Heiligen Berg und verstarb dort im Jahre 1938. Von Vater H. erhalten wir die Erlaubnis das Brustkreuz mit der Reliquie des Lebensspenden Kreuzes des Herrn als auch den ehrwürdigen Kopf dieses Eremiten zu fotografieren. Vater H. ist einer der ältesten Bewohner der Skite. Er selbst ist ein guter Fotograf und darüber hinaus der einzige Sammler historischer Tatsachen über die Karulja. Er verbrachte hier mehr als 20 Jahre. Man sagt, er sei einmal ein Polizist gewesen und hätte auf den Präsidenten geachtet. Nun ist er auf der Karulja. Feurig liebt er sein Volk – die Griechen, oder genauer gesagt die Jelinen, wie er sie nannte. Aber diese Liebe gegenüber seinem Volk, das wegen seiner Verdienste groß ist, mindert nicht die Größe anderer Völker in seinen Augen. Sondern diese ist wie ein Wasser, das aus einem überfüllten Gefäß nach außen quillt und alle nährt, die es umgibt. Und dieser Shimönch liebt Russen: Aber wie sollte er sie auch nicht lieben, denn bis vor kurzem war fast die ganze Karulja russisch. Und viele der Fotografien ihrer Stellvertreter werden sicherlich irgendwo in ihren Archiven bewahrt. Er hat viele Freunde in Russland. Und nach dem Kennenlernen mit Vater H. erfüllten wir die Schuld der Liebe, indem wir Pakete ins Danilov-Kloster, d.h. in die Lavra, brachten. Stellen Sie sich nur einmal vor: Er war vier Mal auf den Solowezki – Inseln, (wir sollten uns schämen). Und er war praktisch überall in Russland, sogar in Irkutsk und im Fernen Osten. Ja, (…). Aber die gebildeten Mönche behindern und rügen sowohl den heutigen als auch den früheren griechischen Nationalismus, der tatsächlich seinen Platz und nicht wenig Kraft hat. Und diese schädliche Erscheinung werden wir hier auf dem Heiligen Berg Athos noch weiter antreffen (…). Aber in der Tat ist die ehrliche und fromme Gläubigkeit entscheidend und nichts anderes. Vor Vater H. betete in seiner Mönchszelle/-Hütte Vater Nil, der ein wunderbarer Ältester und Beter war, um seine Errettung: „Er war ein alter russischer Hesychast, der überhaupt nicht der griechischen Sprache mächtig war“, so sprach der Shi-Archimandrit Heruvim über ihn.
 
Wir gehen weiter und kommen direkt zur Mönchszelle/-Hütte des Ältesten Teodosije. Hier befindet sich die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. Das letzte Jahr hatten wir Glück und kamen hier zur Osterliturgie, die auf den Feiertag des ehrwürdigen Serafim von Sarov fiel, an. Unsere russischen Väter, die dort zu dieser Zeit anwesend waren, hielten die Liturgie ab. Während man dieser Mönchszelle näher kommt, denkt man widerwillig an die Worte aus dem Buch von Majevski (…). Die Beschreibungen des Ältesten ermöglichen es uns alle Dinge, die entdeckt werden können, und solche die entdeckt werden sollen, zu entdecken: „Hinter der kleinen Tür hörte man die Schritte des Ältesten, die ein wenig geöffnete Tür knarrte. Im Hintergrund der dunklen viereckigen geöffneten Tür erschien vor uns das wunderschöne Gesicht des Ältesten und Eremiten. Es war eines der schönsten menschlichen Antlitze, die ich überhaupt in meinem Leben sehen konnte (…). Es war rein, offen und umgeben von weißen Haaren, so ähnlich wie bei einem Schaf. Mit genau demselben weißen Bart, der auf das alte Mönchsgewand fiel. Aber das was am Schönsten und am Bezauberndsten auf diesem hellen und schon gealtertem Gesicht war, das waren die hellen und klaren Augen, mit denen er fast jeden umarmte und zu sich zog, der ihm näher kam. Auch sein schönes und kindlich sanftes Lächeln war anziehend. Es war so wie wenn es alles um ihn herum mit einer nichtdiesseitigen leisen Helligkeit erhellte, die wiederum nichts mit der Sonnenhelligkeit gemeinsam hatte, und die sich auf die wunderschöne Natur des Heiligen Berges Athos ergoss.“
 
Die Mönchszelle von Vater Teodosije wurde während seiner Lebenszeit auf der Karulja zu einer Art lokalem Zentrum. Jeder, der diese Orte besuchte, hat auf jeden Fall ein Treffen mit Vater Teodosije in seinem Reisebericht beschrieben. Egal ob es sich um einen Schriftsteller wie Zajcev oder einen Unions-Mönch handelte. Trotz allem sagen auch diese Beschreibungen nur wenig über Vater Teodosije aus.
 
Vater Teodosije wurde 1869 in der Provinz von Saratov in eine Bauernfamilie hinein geboren. Nach seinem Schulabschluss in der Dorfschule wurde Vasilije, (so war sein weltlicher Name), auf Staatskosten in der theologischen Schule weiter ausgebildet. Von diesem Moment an beginnt ein Weg, den viele gebildete russische Priester gingen, die aus landwirtschaftlichen Familien stammten. Der Älteste beendete seine Ausbildung in der Theologischen Akademie von Kasan. Darauf hin war er fünf Jahre lang Inspektor im Seminar von Vologod. Danach verließ er die Welt und ging auf den Heiligen Berg Athos. Dort begann das zweite ernste und langwierige Lernen. Der Älteste erzählte seinem Schüler, dem Shimönchen Nikodim, über seinen Kampf mit nur einer Sucht – dem Zorn/Wut. Auf dem Heiligen Berg Athos ging Vater Teodosije, (damals hieß er noch Teofan), den Weg des russischen Zellen-Mönchstums und trat in die bekannte Mönchszelle des Heiligen Nikolaj ein, die man hier Belozerk nennt. Dort lebte er drei Jahre, während er ohne dabei Müde zu werden mit seiner Sucht - dem Zorn/Wut - kämpfte. Und er erkannte, dass er diese nicht besiegen konnte. Daraufhin machte sich der Älteste auf den Weg zum damals bekanntesten Priester, den Shidiakon Lukijan. Dieser lebte in der Mönchszelle, die nahe beim Pantelejmon-Kloster liegt. Dieser Diakon, der im Pantelejmon-Kloster für sein Malen bekannt und ein Schüler des Geistlichen Jeronim war, war seiner Wahl würdig: Denn er war von seinem Charakter her sehr streng, und die Folgsamkeit war für ihn die beste Art und Weise die innere Ruhe zu finden. Der zukünftige Mönch von der Karulja bemühte sich darum alles auszuhalten, aber manchmal viel er in die völlige Verzweiflung und hörte folgendes: „Warum bist Du geistlich schwach geworden?“ Der zukünftige Älteste schaffte es lediglich ein halbes Jahr dort auszuharren.
 
Weiter führte ihn sein Weg zu den Einsiedlerorten auf der Kapsala. Hier führte er ein echtes Leben als Eremit. Er aß ein wenig Suppe mit trockenen Brotstückchen und praktizierte das stille Gebet. Aber wenn er sich wie gewöhnlich vor den Besuchern versteckte, dann hörte er auf einmal einen Priestermönch aus der Skite des Heiligen Andreas durch die Tür sagen: „Du wirst doch nicht sitzend im eigenen Gebet verharren: Wo ist deine Liebe gegenüber deinen Nächsten?“ Vater Teodosije überlegte. Er entschied wieder den Weg zu gehen, den er abgebrochen hatte und ging wieder zu Vater Lukijan zurück.
 
Aber dieses Mal hielt er es nur ein halbes Jahr aus. Er bemühte sich alles auszuhalten, aber er hielt es nicht aus: „Ich kurierte/behandelte Babylon und heilte mich dabei nicht “, sprach sein Ältester.
 
Der Älteste war sehr verzweifelt: Er verstand, dass er den echten Gehorsam nicht einhalten kann und entschied sich dazu das Leben in einer Klostergemeinschaft, (Anm.: D.h. als Mönch in einer Klostergemeinschaft an deren Spitze ein Klostervorsteher/ Igumen ist, serb. „opštežiće“), zu versuchen, welches die erste Stufe im Eremiten-Dasein darstellt. Er organisierte in Kapsala so etwas Ähnliches wie einen kleine Skite: Diese bestand hier aus drei Mönchen, die jede Woche aus ihrer Mitte den Ältesten wählten und ihm entsprechend als Igumen gehorsam waren. Aber diese selbst gegründete Skite entwickelte sich schnell, so dass sich der Eremit dazu entschied ein selbstständiges Leben in der Einöde als Eremit zu führen, wobei er geistliche Ratschläge bei Ältesten suchte. Einer dieser Ältesten, an die sich Vater Teodosije wandte, war ein Priester-Shimönch, der ebenfalls wie er selbst Teodosije hieß (+25.Mai 1903). Er ist nicht nur würdig die Geschichte des Heiligen Berges Athos allein durch seine Herkunft zu schmücken, sondern gerade auch durch sein Mönchsleben. Dieser Vater Teodosije war Georgier und lebte in der georgischen Mönchszelle des Apostels und Evangelisten Johannes des Theologen im Kloster Iveron. Im weltlichen Leben war er der Fürst Teodor Georgijevič Eristov. In seiner früheren Geschichte wurde der Heilige Berg Athos sehr reich von seinen Vorfahren beschenkt. Zur Zeit des ehrwürdigen Atanasije waren seine Gehilfen, die seine Aufgaben aus Folgsamkeit ausführten, bekannte Georgier, die schon zu seinen Lebzeiten das Kloster Iveron gründeten. Der erste davon war der Mönch Jovan (Varasvače). Er war ein bekannter Oberst des iveronischen Kaisers David Kuropat. Dessen Sohn war der zweite und hatte den Mönchsnamen Jeftimije. Und der dritte war Fürst Tornikije, aus dessen Familie auch ein georgischer Mönch kommt. Fürst Tronikije ging in die Geschichte des Heiligen Berges folgendermaßen ein: Auf Anordnung der griechischen Kaiserin und mit dem Segen des ehrwürdigen Atanasije war er dazu gezwungen das Mönchsgewand mit der Kriegsausrüstung zu tauschen und so wieder ein Oberst auf Zeit zu sein.(3) Aber der Sieg wurde erreicht, und so ging der Fürst wieder zurück ins Kloster, wo er sein diesseitiges weltliches Leben beendete. Einer seiner weit entfernten Verwandten, der ein Ältester und ein bekannter Geistlicher der georgischen Bruderschaft war, beendete seinen Lebensweg auch in der Nähe des Klosters Iveron. Unser Priestermönch Teofan, der auf der Kapsala lebte und einige Jahre beim Ältesten lernte, wurde oft dazu gezwungen seine Mönchszelle zu wechseln. Einmal hörte er, dass in der Skite des Heiligen Basilius des Grossen, in der Pajsije Veličkovski seinen Mönchsweg begann, es einen Ältesten gab, der das ununterbrochene Gebet praktizierte und damit sehr vorankam. Bald machte sich der russische Mönch auf, um nach Katunaki umzusiedeln und fand dort den großen Lehrer des Gebets - den Hesychasten Kalinik.
 
Vater Teodosije hielt sich bis zu seinem Tod auf der Karulja in den Mönchszellen des Heiligen Berges auf. Es war sein Schicksal hier lange – bis zu seinem Tod – zu leben. 1914 siedelte er auf die Karulja über und am 2.10.1937 übergab er seine Seele dem Herrn. Die Mönchszelle der Heiligen Dreifaltigkeit wurde mit Spenden, die der Abt Misail vom Pantelejmon-Kloster zur Verfügung stellte, erbaut. Der zweite Hilfsaltar ist dem Schutzmantel der Allheiligen Mutter Gottes gewidmet. Den Bitten der Spender entsprechend wurde im Besonderen auch der Feiertag des Ehrwürdigen Sergej von Radonesch und des ehrwürdigen Atanasije von Athos am 05. Juli gefeiert. Die Mönchszelle wurde 1917 von diesem bekannten Eremiten vom Heiligen Berg Athos geweiht, und ich hoffe etwas über ihn an einer anderen Stelle schreiben zu können.
 
Es ist offensichtlich, dass die Periode der Streitigkeiten über den Namen Gottes Vater Teodosije auf Katunaki erwischte. Eigentlich lernte er den Ältesten und das stille Gebet praktizierenden/ Hesychasten kennen als diese Streitigkeiten bereits existierten. Vater Kalinik schrieb eine große Arbeit zum Thema dieser Streitigkeiten, die gemäß den Erzählungen unserem Kaiser sehr gefiel. Weder ich noch meine Begleiter hatten eine Möglichkeit die Arbeiten von Vater Teodosije zu lesen, die über die Streitigkeiten bezüglich des Namen Gottes handeln. Aber wir wissen, dass ihm eine Urkunde seitens der Heiligen Synode erteilt wurde, wobei er als Segen die Ikone des Retters „Der zu allen Erbarmen hat“ zum Geschenk bekam. Dennoch hatten wir die Gelegenheit dazu das Buch, das er zur Verteidigung des alten Kalenders schrieb, in den Händen zu halten. Es heißt: „Die Lehre der Orthodoxen Kirche über die Heiligen Überlieferungen und ihr Verhältnis zum neuen Kalender.“ Der Autor wird dort nicht namentlich genannt. Aber es steht geschrieben, dass dieses Buch von den eifrigen und ehrbaren Mönchen des Heiligen Berges verfasst wurde, so dass der Dank Vater Teodosije gebührt.
 
 
Die Mönchszelle der Geburt Christi
 
Nach Vater Teodosije lebte hier auch sein Lehrling Nikodim als Eremit. Dieser ist gleichfalls ein bekannter russischer Ältester, der insbesondere in der russischen Emigration geehrt wird. „Wie die Geiß, die von einem Stein zum anderen springt“, so beschreibt ihn Majevski, dessen Wegführer Nikodim war, als er diesem als junger Mönch den Weg zum Ältesten zeigte. Aber die Jahre des Eremiten-Daseins und des Gebets gingen vorbei, so dass Nikodim selbst zu einem bekannten Ältesten wurde, an den sich viele amerikanische Priester um Rat und Hilfe wandten. Das Lebensende dieses heiligen Ältesten wird von Paulus Rak in seinem Buch „Annäherung an den Heiligen Berg“ beschrieben. Gegen Ende seines Lebens gab ihm der Herr Krankheiten, die der Älteste als Gnade empfing. Der Älteste vergaß alles: Sowohl sein weit zurück liegendes Leben in Russland als auch viele Dinge aus seinem vorherigen Leben auf dem Heiligen Berg Athos. Er vergaß sogar alle Gebete, so dass für ihn nur noch ein Gebet übrig blieb: „Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner.“ Und diese Worte waren für ihn völlig ausreichend. Dies ist auch für diejenigen unter uns eine Lehre, die mit vielen Worten zu Gott beten in der Hoffnung dadurch erhört zu werden.
 
Das Hinabklettern zur Karulja 
 
Wir setzen unsere Reise fort und kommen zur echten Karulja, d.h. zu der Karulja so wie sie uns aus vielen Beschreibungen bekannt ist. Entlang des gesamten Weges, den Vater Heruvim „Moskauer Strasse“ nannte, befanden sich aufgespannte Ketten. Ohne diese wäre hier jeder Schritt – sogar für erfahrene Alpinisten - sehr gefährlich. Entlang der Ketten kann hier jeder vorbeigehen. Und was die „alle möglichen Schrecken“ betrifft, die auch in den Beschreibungen auftauchen, so sind diese milde gesagt etwas übertrieben. Mann kann hier nur stürzen, wenn man die Kette aus der Hand lässt. Zu dem beendete der Mönch Pahomije, der uns „im Prospekt“ als Hausherr der Mönchszelle genannt wird, sein irdisches Leben gerade auf diese Art und Weise: Man fischte seinen Körper aus dem Meer. Es ist verständlich, dass niemand genau weiß, was wirklich passiert ist. Das geschah vor zwanzig Jahren, und offensichtlich ist diese Mönchszelle seitdem nicht mehr bewohnt und steht leer. Es scheint so, wie wenn es fast keine Ecke dort gibt, an der nicht der Verfall sichtbar ist. Man sagt „die Zeit ist der beste Arzt“, aber diese ist auch der beste Vernichter. Die Karulja, die in der Periode des Mönchstumverfalls vom Heiligen Berg im 20. Jahrhundert verödete, füllt sich heute nach und nach wieder mit Mönchen als auch mit denjenigen, die nach einem Mönchsleben streben. Vielleicht werden wir eines Tages einen Bewohner in dieser Mönchszelle der Geburt Christi antreffen. 
 
„Die Moskauer Strasse“ bringt uns zur Mönchszelle des Serben und Shimönchen Stefan, der für uns zu einem guten Bekannten wurde. Hier ist auch eine große serbische Fahne. Es fällt sofort auf, dass man hier die ruhmreiche Geschichte der slowenischen Völker ehrt. Es ist nicht lange her, dass hier der aus Datҫa stammende Priestermönch Antonije als Eremit lebte. Er verfasste das vom Inhalt her seltene Buch mit dem Titel „Das Leben in Frömmigkeit der Eremiten vom Heiligen Berg Athos im 19. Jahrhundert.“ Diejenigen, die der Ansicht sind die Zeiten der großen Eremiten seien vorbei, können in diesem Buch die Leben des Priester-Shimönchen Arsenije, des Hadschi-Georgije, des Serben Pahomije und das der Anderen durchlesen. In der Art und Weise, wie diese ihr Eremiten-Dasein führten, bleiben sie in keinster Weise hinter den asketischen Lebensweisen der früheren Mönche vom Heiligen Berg zurück. So ist also nicht entscheidend, dass diese Zeit dafür vorbei ist, sondern dass wir eben nicht so sind wie sie.
 
Um zu sehen was der Heilige Berg bedeutet, und was es mit der Zeit des vergangen Jahrhunderts auf sich hat, öffnen wir das Buch des Mönchs Vsevoloda Filipjeva und lesen: „Als in der Slowakei die Sowjets an die Macht kamen, musste er (der Priestermönch Sava und ehemaliger Bewohner des Klosters von Jordanville) die Aufopferung Irrsein um Jesu Christi Willen auf sich nehmen. Drei Monate lang aß er nichts außer den Heiligen Gaben, die er jeden Tag nach der Liturgie zu sich nahm. Danach mäßigte er sich im Fasten. Trotzdem aß er in seinen letzten drei Lebensjahren weder Brot noch trank er Tee, sondern er ernährte sich nur von ungesalzenen gekochten Kartoffeln. Und das nicht jeden Tag sondern nur alle fünf Tage.“ Aus diesem Grund ist das Philosophieren über die These der moderne Mensch sei schwach – eine List: Denn in dieser These wird die irdische Bequemlichkeit, die hauptsächlich aus Faulenzen besteht und die Vergänglichkeit verkörpert, in den Mittelpunkt des menschlichen Lebens gestellt. Und nicht der Mensch als Bewohner dieser Welt, der – wenn auch nur in Zukunft – Teil der ewigen himmlischen Familie ist.
 
Direkt an der Tür der Mönchszelle werden wir von zwei Schädel-Reliquien empfangen: Es sind die Reste von denjenigen, die hier früher als Eremiten lebten. Das ist die Erinnerung an den Tod, die sowohl für den Mönch als auch für den in der Welt lebenden Menschen notwendig ist. Auf einem der Köpfe kann man noch den Namen Josif erkennen. Damals konnte ich damit nichts anfangen: Ein Kopf eben, d.h. (menschliche) Überreste, die man hier auf dem Heiligen Berg Athos oft sehen kann. Vater S. konnte ebenfalls nichts über seinen Vorgänger sagen. Vor einem Jahr jedoch schlug ich die Zeitung „Moskauer Notizen“ auf. Dort las ich einen kurzen Artikel über den bereits zu dieser Zeit verstorbenen Krasovski, der mit „Reisender“ unterschrieben war. Dieser Artikel wurde für andere Bücher wichtig, die über den Heiligen Berg geschrieben wurden. Es ist nicht wichtig, dass der Autor den Namen Karulja falsch sowie aus irgendeinem Grund „o“ anstatt „a“ schrieb. Denn dafür fand ich schon alle möglichen Formulierungen in der Literatur: Man verwendet sowohl den Begriff Kurulja als auch Karule. Offensichtlich ist dieser Ort so legendär geworden, dass auch die schöpferische Namensgebung zu einem volkskundlichen Thema wurde.
Krasovski, der Berater dieses Artikels war, war von der Karulja bezaubert. „Das sind wilde Menschen, die aus europäischer Sicht große Eremiten sind. Betrachtet man sie aus einer heutigen Sicht auf die Welt, so sind sie meiner Meinung nach heilige Philosophen, die fast nicht mit der Welt kontaktieren. Ich bin der erste der „Intelligenten“, der sich dazu entschied diese akrobatische Reise anzutreten. Diese tiefen und nicht mehr aus meinem Gedächtnis auslöschbaren Eindrücke, die auf mich die Natur und die Menschen dort zurückließen, waren für mich die große Belohnung.“ Er besuchte alle lokalen Klöster, von denen er dreizehn zählte. Darüber hinaus erfuhr er, dass an weit schwierigerer zu erreichenden Plätzen noch einmal so viele davon liegen. Er besuchte alle Eremiten und freundete sich so sehr mit ihnen an, dass sie ihm alle lokalen Geheimnisse der Karulja beschrieben. Der Berichterstatter, der sein Gesicht als völlig intelligenter Mensch verlor, wollte hier einige Wochen bleiben. Jedoch konnte er dies nicht, weil sie ihn dazu drängten sich zu beeilen, und weil ihn das Fehlen der notwendigen Mittel verunsicherte. Meiner Meinung nach waren das die Gründe, die ihm einen (längeren) Aufenthalt unmöglich machten.
 
Eines Tages versteckte sich der Korrespondent in der Nähe eines kleinen Tores, neben dem wir stehen blieben. Dabei versteckte er sich nicht aus irgendeinem listigen Grund oder aufgrund von zu großer Vorsichtigkeit, sondern weil er Barfuss unterwegs war. Er wollte den Karulja-Tunnel sehen durch den die Lebensmittel ankamen. Er schaute durch die offene Tür und schenkte so der Welt eine der besten Beschreibungen der Eremiten vom Heiligen Berg Athos. (…) Er sah einen ergrauten Ältesten, der auf einem Brett, das auf einem Fass befestigt und zum Fenster gedreht war, saß. Der Älteste bereitete sich sorgfältig auf eine Mahlzeit vor. Es war der Älteste Josif, über den man sagen könnte, dass die Zeit sozusagen alle Informationen über ihn „verschluckte“. Auf dem Tisch neben dem Ältesten standen drei Gläser: Sein Essen bestand aus drei Gerichten. „Konzentriert schaute er in die mittlere kleine Schüssel, in der ein trockenes Stück Brot schwamm. Er probierte es, ob es schon erweicht war. Er war zufrieden und stand von seinem kleinen Fass, auf dem er saß, auf und streckte sich in voller Länge: Sein ohnehin schon abgemagertes Gesicht mit eingefallenen Backen und dem schwachen Bart sah noch strenger aus, und die Augen glänzten in den mit Falten bedeckten Augenhöhlen (…). Er bekreuzigte sich und begann die einfache Gebetsregel vor dem Essen aufzusagen. Diese betete er zu Ende und segnete das Mahl. Dann machte er sich daran auf sein Fass zu sitzen (…).“ Als es sich herausstellte, dass er nicht alleine war, verließ Ipolit Fjodorovič seinen Beobachtungsplatz. Der Älteste wunderte sich wortlos wie dort auf einmal ein Mensch auftauchen konnte. Danach freute er sich sehr, denn Gäste sind hier sehr selten.
 
„So, jetzt können Sie mich dazu einladen etwas zu essen“, schlug Ipolit Fjodorovič vor.
 
„Gut, bitte schön, setzen Sie sich auf irgendeine Bank, und ich werde stehen. Nur zum Mittagessen gibt es mein hiesiges Mahl von der Karulja“, antwortete der Älteste. Der Besucher schaute in das erste Glas, das aus einem Kürbis gemacht war. Darin waren zwei Feigen, die von Dornen befreit und nicht größer als eine griechische Wahlnuss waren. Dann schaute er in das zweite Glas. Darin war ein aufgeweichtes Stück trockenes Brot. Und das dritte Gericht unterschied sich nicht im Geringsten von dem zweiten, nur dass das trockene Stück Brot erst vor kurzem ins Wasser gelegt wurde und somit noch nicht aufgeweicht war. Die Feigen waren zu süß, und die trockenen Stücke Brot schmeckten so wie trockenes Brot bzw. Roggen-/Kornbrot eben schmeckt. Nur (…) “Warum salzten Sie die trockenen Brotstücke nicht?“ Dies wurde der Älteste vom „Wissenschaftler“, d.h. der das Leben auf der Karulja untersuchte, gefragt. „Ja, Salz gibt es nicht. Es ist ausgegangen. Und ich habe mich schon daran gewöhnt auch ohne Salz zu essen. Ein trockenes Stück Brot mit Feigen ist sehr köstlich. Das schmeckt so, wie wenn man es mit Zucker essen würde.“ Und dieser Älteste, der diese „Karulja-Diät“ praktizierte, war damals 87 Jahre alt. Etwa 30 Jahre lang praktizierte er diese Diät und heilte sich damit von seinen Sünden. Das war also der Shimönch Josif, der ursprünglich ein Kosak vom Don war. „Vater Josif freute sich: Er gab mir gemachte Kreuzchen aus Zypressenholz als auch Löffel, die sehr gut ausgearbeitet und aus einem sehr starken Olivenbaumholz in Handarbeit gemacht waren.“ So beendete der Redakteur der Moskauer Zeitung seine Geschichte über seinen Besuch. 
 
Und, so wie das eben normalerweise passiert, wenn man einen Menschen trifft, der wirklich Geld benötigt, dann hat man selbst nicht genügend Geld zur Verfügung. Ipolit Fjodorovič konnte dem Ältesten, wie auch allen anderen Bewohnern der Karulja, nur einen halben Rubel (fünfzig Kopeken) geben. Und alle waren unbeschreiblich glücklich: Vielleicht werden sie Öl für die Öllampen kaufen, das in diesem Moment auf der ganzen Karulja ausgegangen war. An diesem gleichen Ort vor hundert Jahren ereignete sich derselbe Fall. Natürlich verfügt Vater S. heute über ein viel besseres Mobiliar: Es können sogar zwei oder vier Personen nebeneinander sitzen, und niemand muss dabei aufstehen. Viele Stunden verbringen wir im Gespräch mit Vater S.. Auf den Wänden seiner Mönchszelle hängt eine große Anzahl an Ikonen. Er sammelt alle Zeichen unserer Zeit. Bei ihm kann man Reproduktionen von allen wundersamen Ikonen unserer Zeit finden. Es folgt ein langes Gespräch über das Ende unserer Zeit (…).
 
Weiter höher führt uns unser Weg zur Mönchszelle des Großmärtyrers Georg. Es ist die älteste Mönchszelle auf der Karulja. „Dort wurde eine kleine Kirche erbaut, die dem Großmärtyrer Georg gewidmet ist. Desweiteren gibt es auch 3 kleinere Mönchszellen, die von einigen serbischen Eremiten stammten, die sich durch gute Taten auszeichneten und dort lebten. Zur Zeit meines Aufenthaltes lebten dort Griechen, und es war der Ort eines lebendigen arbeitsamen und asketischen Lebens. Sie waren zu dritt: Es waren ein Priestermönch und zwei weitere Mönche. Sie lebten von ein wenig Handarbeit. Aber da die Zugangmöglichkeiten zu ihren Orten schlecht waren kann man sagen, dass sie eher von Spenden lebten.“ Aber wir kamen nicht bis zur Mönchszelle des Heiligen Großmärtyrers Georg sondern bogen rechts ab und kletterten einen größeren und steileren Felsabschnitt hinauf, bis wir zur Iveron-Mönchszelle kamen. Hier lebten früher einmal zwei russische Mönche: Es waren Aleksandar und sein Schüler Andrej. Als der Älteste starb, der ein Eremit war und ein strenges geistliches Leben führte, fiel sein Schüler in Versuchung und wäre fast dabei verunglückt. Einmal fanden sie ihn in ganz verwirrter Verfassung. Und erst kurz vor seinem Tod kam er wieder zu Verstand und erzählte alles. Ihm sei „Christus“ erschienen. Der Eremit verneigte bis auf den Boden vor ihm und sah dann die Füße eines Ziegenbocks. Der Dämon lachte und drang durch den Mund in ihn hinein. Das ist eine Geschichte aus den Überlieferungen der Karulja, die wir mehrmals hörten. Auch Pavle Rak beschreibt diese Geschichte in seinem Buch. Es ist sehr schwer in dieser Mönchszelle ein Leben zu führen. Auch wenn sich die anderen auf kleinen flachen Plateaus niederlassen, so erinnert diese Mönchszelle an ein kleines Zimmer, das von steilen Hängen umgeben ist. Wenn es in einer normalen Umgebung solche Menschen gibt, die sich dadurch retten, dass sie sich von der restlichen Welt isolieren bzw. als Eremiten leben, dann sind hier alle Eremiten in gewisser Weise Gefangene. Auch wenn sie etwas sehr gerne möchten, werden sie deswegen nicht unbedingt häufig in die nebenan liegende Mönchszelle klettern. Auch wenn sie etwas in Dafne kaufen könnten, so werden sie als aller erstes darüber nachdenken, wie sie es auf der Leiter hierher transportieren können.
 
Wir machen uns wieder auf Rückweg. Als wir einige Meter der sehr steilen Felsen irgendwie überwinden, erreichen wir das Herz der Karulja: Die Georgs-Mönchszellen. Jetzt haben wir ein wenig Zeit Luft zu holen. Während wir uns so ausruhen, erinnere ich mich daran, dass die Karulja am Anfang des Jahrhunderts, aber auch nach der Revolution, russisch war. Zu dieser Zeit gab es auf der Karulja 40 Bewohner! Heute füllt sich die Karulja wieder mit Mönchen. Aber wieviele von ihnen gibt es hier? Nun, es sind etwa zehn. Aber damals waren sie vierzig (…). Die Karulja galt als der für ein Eremiten-Leben schwierigste Platz auf dem Heiligen Berg. Denn sogar noch nach den Überschwemmungen blieb ein Fels bestehen, der fünfzehn Meter breit und etwa zwei oder drei Mal so hoch ist, und auf dessen kleiner zur Verfügung stehenden und mit großem Fleiß geebneten Fläche immer noch die Kirche mit den Mönchszellen steht. Dort trinkt man das Regenwasser und ernährt sich von einem wilden Kraut, das dort von je her zwischen den Steinfelsen wächst. Dies ist der ruhigste und der wärmste Ort. Obwohl er sich gleich über dem Meer befindet, gibt es dort weder einen Weg zum Meer noch gibt es dort ein Ufer. Sondern es gibt nur Höhlen und schreckliche Schluchten und hohe Felsen (…).“ Ja, hier gibt es wirklich keinen Weg zum Meer, sondern es handelt sich um eine Klippe. Und vom Meer aus gesehen sieht diese Mönchszelle so aus als wäre sie ein Schwalbennest, das (und man weiß nicht wie) auf die Klippe „geklebt“ wurde. Die Wand der Mönchszelle ist eng an die Klippe gebaut, so dass es nur einen engen Durchgang gibt, der direkt ans Ende der Karulja führt. Und von dort aus führt ein sehr kleiner Weg durch die Danielev-Mönchszelle, wie diese von den Bewohnern der Karulja genannt wird, auf den Katunaki. In der Wand dieses kleinen Durchgangsweges befindet sich das kleine Fenster des kleinen Raumes, in dem die Gebeine der Verstorbenen von der Karulja aufgehoben werden. Welche ehrwürdigen Überreste werden hier wohl aufbewahrt? Wir öffnen die Tür und kommen in den Kirchhof, in dem einige Bäume - genauer gesagt eine gigantische Aloe Vera und ihr ähnliche Pflanzen - wachsen. Nach der Meinung von Barski befanden sich neben der Kirche 3 Mönchszellen, die von irgendwelchen „sich durch gute Taten auszeichnenden serbischen Eremiten“ erbaut wurden. Aber der Reisende selbst erreichte schon die Griechen bzw. „den Ort des pulsierenden Lebens“. Neben diesem Gebeine-Raum singen wir ewige Erinnerung für die Shimönche Varsonufije, Pajsije, Zosim, Inokentije und Nikon. Nur über letzteren habe ich einige wenige Informationen. Es sind sehr wenige, aber dafür sehr wertvolle Informationen.
 
Priestermönch Nikon
 
Der Priestermönch Nikon war ein General des Zaren. Man sagt, er war sogar der Adjutant Seiner Majestät. Die letzte Grenze dieses Offiziers, die er beschützte, befand sich hier auf griechischem Boden. Hier war auch der Ort seines letzten Dienstes, dem er nachging, sowie seiner letzten Stellung, die er kommandierte. Nach den Erzählungen von der Karulja fuhr ein bulgarischer General per U-Boot zu ihm, um ihn um Rat zu fragen. Ebenso würdig kommandierte unser General die Armee. Ein kleines Buch mit der Biographie des Shimönchen Tihon, dessen Schüler der auf der ganzen Welt bekannte Älteste Pajsije war, fiel mir in die Hände. Darin bzw. aus dem Lebenslauf des Ältesten Tihon erfahren wir, dass er fünfzehn Jahre lang als Eremit in einer Höhle auf der Karulja lebte. Um die Heilige Eucharistie einzunehmen, ging er sonntags in die Mönchszelle, die sich weiter oben über seiner Höhle befand. (4)
 
Ja, so eine Bruderschaft lebte hier. Wir zupfen die Hülsenfrüchte von den Bäumen, die um die Mönchszelle herum prächtig gewachsen sind. Dann erklärte uns irgendjemand, dass dies (…) sind. Wir versuchen diese zu kauen und stellen fest, man kann sie tatsächlich essen. Aber jetzt kommt das Allerwichtigste: Wir öffnen die Tür zur Kirche und erweisen darin den Heiligen Ikonen unsere Ehrerbietung. Es gibt kaum Älteste, die nicht hierher in diese Kirche der Karulja kamen, die Barski sogar schon beschrieb. Wer hier alles die Heilige Eucharistie vorbereitete, das möchte ich mit den Worten des Archimandriten Heruvim beschreiben, der Vater Nikon noch zu seinen Lebzeiten dort begegnete. An dieser Stelle möchte ich um Verzeihung für das zu lange Zitat bitten. Aber es gibt wahrscheinlich nur wenige Menschen, die nicht weinen werden, wenn sie diese kleine Episode lesen: „Dann kam ich an den Ort des stillen Gebets (Anm.: griechisch „isihastirion“) des russischen Eremiten Nikon. Die Tür öffnete sich und ich sah sein einzigartiges Gesicht. Als Erster machte er eine Verbeugung vor mir und sagte dabei etwas in russischer Sprache. Ich hörte ihm zu, dabei schaute ich ihn mit Bewunderung an, ohne etwas zu verstehen. Das ist also - dachte ich mir - ein himmlischer Mensch, der sich noch auf unserer Erde befindet! Wie oft nur hatten wir den Wunsch so einem Menschen in unserem Leben zu begegnen! Ich glaube, dass sogar der Mensch, dessen Herz aufgrund der Gedanken dieser Welt am Meisten erkaltet ist, nicht vor der majestätischen Atmosphäre, die von dieser Wildnis und dem Frieden an diesem Ort, der völligen Abgeschiedenheit, die entdeckt, erweicht, liebkost (…), und die von den hier lebenden Menschen ausgeht, unberuhigt und gleichmütig bleiben kann.
 
Als ich Vater Nikon um eine Schüssel bat, um ihm eine Süßspeise aus Melonen, die wir oft kochten, dort hinein geben zu können, lehnte er ab. Aber als ich damit begann darauf zu insistieren, ließ seine ablehnende Haltung nach. Er verschwand und kam mit einem Tonteller zurück. Auf den ersten Blick konnte man sehen, dass er diesen Teller schon mehrmals benutzte. Man konnte darin deutlich die Überreste von Essen entdecken! Im ersten Moment fragte ich mich, ob man darauf etwas Süßes geben kann. Aber der Älteste sah meine Unsicherheit, lachte und fuhr in griechischer Sprache fort: „Ich bin ein Eremit, Eremit ich.“
 
Ich schüttete die Süßigkeit auf diesen für uns normale Menschen abstoßenden Teller. Ich wunderte mich über die Strenge, über die Unterwürfigkeit seines Körpers gegenüber dem Geist, und über die Gefühle dieses alten Eremiten. Wer weiß, wie er diese Süßspeise zu sich nehmen wird (…). Vielleicht macht er es so wie die früheren Eremiten dies Taten: Diese gaben Wasser in das Essen, damit es seinen Geschmack verliert, und damit sie selbst nicht der Genußlust verfallen.
 
 
In der Mitte des Bildes sieht man die Karulja
 
In einem Ruck fiel ich auf den Boden, um seinen Talar berühren und seinen Füssen meine Ehrerbietung erweisen zu können, aber ihm gelang es vor mir. Mit einer mir unbemerkten Bewegung fiel er vor mir auf die Knie und neigte seinen Kopf bis auf den Boden. In dieser Stellung hörte ich ihn flüstern: „Ich danke, ich danke (…)“ Das war ein unvergessener Eremit: Vater Nikon war ein höherer Offizier der russischen Armee, der einige Sprachen sprechen konnte, und über eine hohe Allgemeinbildung verfügte.“ 1963 übergab Vater Nikon seine Seele dem Herrn. (…) Seine Mönchszelle bewohnten in den letzten Jahren unterschiedlichen Bewohner aus Russland. Ich schaffte es mich mit dem Shimönchen Jovan bekannt zu machen und verbrachte sehr viel Zeit in gemeinsamen Gesprächen mit ihm, während wir am Tisch neben der großen Aloe Vera Pflanze saßen. Einige Male mussten wir uns zu Vater S. niederlassen, wo wir im Dunkeln, wie in einem Dachstuhl (…), übernachteten. Natürlich diskutierten wir deswegen untereinander. Dabei suchten wir einen Schuldigen, der dafür verantwortlich war, dass wir uns hier aufhalten mussten und wegen dem wir das Hinabsteigen in den riskanten Raum abbrechen mussten.
 
Prinz Charles, der ein häufiger Gast auf dem Heiligen Berg Athos ist, kam eines Tages mit einer Visite in die Danijelev-Mönchszelle, die auf einer Anhöhe über der Karulja liegt. Diese reiche Bruderschaft erbaute eine Steintreppe, die zum Gipfel führt, und durch die mit der Unterstützung von Tieren als Transportmittel ihr kleines Kloster mit dem Hafen der Karulja verbunden war. Durch diese Fortbewegungsart wird die Luft nicht mit schädlichen Gasen verpestet, und diese verbessert den Boden durch ihre „Abfallprodukte“. Der arme Prinz befand sich in einer komplizierte Situation: Er musste zwischen diesen Tierabfällen zum Stall balancieren, so dass man sagen kann, dass die Karulja den Vertreter des Königshauses nicht besonders gesellig empfing. Aber deswegen waren diejenigen, die ihn empfangen haben, dieser Rolle würdig. Der Prinz wunderte sich sehr, als er erfuhr, dass sich unter den Vertretern der russischen Eremiten ein ehemaliger Arzt und ein ehemaliger Jurist befanden. Das war unser bekannter Vater Jovan.(5)
 
Genau unter der Mönchszelle befinden sich Höhlen. In einer von Ihnen lebte Vater Tihon als Eremit. Die größte Höhle hat einige lange Durchgänge. Wir zwängen uns durch Kaktusgewächse und gelangen in diese Höhle. Obwohl man dort ein wenig gehen bzw. genauer gesagt ein wenig kriechen kann, so empfindet man doch - sogar wenn man eine Öllampe dabei hat - eine gewisse Angst. Man kriecht auf allen Vieren und es erscheint einem wie wenn das Steingewölbe herunter käme und man erdrückt würde. Fast sofort kommt man in einen großen unterirdischen Raum, wobei sich die Höhle weiter teilt: Links und rechts ist genauso ein Durchgang, und in einem relativ breiten Raum sehen wir ein Pult. Nun, das ist also der Ort an dem ihr, unsere Heiligen Väter, euch euren Aufopferungen widmetet! Direkt am Anfang der Höhle befindet sich der ehrwürdige Kopf von einem von ihnen. Wie ist es möglich, gerade im Winter in so einer Höhle zu leben? Aber viele Väter vom Heiligen Berg Athos lebten in solchen Höhlen. Erinnern wir uns nur einmal an den hier verstorbenen Serben Pahomije. Der Eingang in die Höhle, in der er früher lebte, war mit Schnee verschüttet. Aber früher war dies hier alles nicht so. Sehr viel später gelang es mir auf den Seiten der Zeitschrift „Der geistlich nützliche Ratgeber“, die vom Pantelejmon-Kloster herausgegeben wird, eine Beschreibung dieser Höhle, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist, zu finden. Mit Bewunderung entdeckte der Wallfahrer eine kleine Hütte, die sich innen in den Klippen befand, und die so ähnlich wie die Hütten außerhalb der Höhle aussah. Diese Hütte war aus Brettern gemacht, und sie bestand aus einem Zimmer mit einigen Ikonen, vor denen eine kleine Öllampe hing. Seitdem der Älteste, der sich darin seinen Aufopferungen hingab, in einem der russischen Skite auf dem Heiligen Berg starb, ist diese Hütte nicht mehr bewohnt. So verlassen manchmal ganz unauffällig große Eremiten diese Welt (…). Aber das Aussehen dieser Hütte inspirierte diesen Wallfahrer so sehr, dass diese auf den Seiten der Zeitschrift in Worten festgehalten wurde, von denen sich keine besseren finden können, die diesen Ort beschreiben könnten: „Hier ist also der Ort der Ruhe, der Ort an dem das vollkommenste Gebet in der Stille herrscht. Der Ort, der irgendwie ganz weit weg vom Lebendigen ist, der irgendwo weit und tief im Inneren der größten Felswand liegt. Ein Ort an dem weder Schall, noch Meereswellen, noch Windböen, noch eine menschliche Stimme, noch eine lebendige Bewegung und noch ein Rufen der Schiffskapitäne, die auf dem Meer segeln, hörbar ist. Hier ist also der Ort, an dem man sich in sich selbst auf eine angenehme Weise vertiefen kann (…). Nein, meine Hand kann das nicht beschreiben, und das kann man schwer erklären. Nur derjenige, der dort einige Zeit lebt kann von den Früchten der vollkommensten Stille kosten sowie den ganzen Reichtum für die Seele und den Geist fühlen, den man dort mit Hilfe der Gnade Gottes erhalten kann.“
 
Darüber hinaus sieht man ein Licht. Das ist der Ausgang. Dort befindet sich ein kleines Plateau über der Kluft, die Hinweise über einen menschlichen Aufenthalt erkennen lässt. Manchmal versuchten modernen Menschen von heute die Ältesten nachzuahmen bzw. mit Ihnen mitzuhalten. Aber oft hatten sie Probleme mit der Polizei. Um hier leben zu können benötigt man entweder eine griechische Staatsbürgerschaft, jedoch ist am Besten von allem ist die Stillschweigende Zustimmung der Lavra für dieses Unterfangen. Ansonsten ist ein Konflikt mit der Polizei möglich. Mit deutlich mehr Munterkeit gehen wir zurück – denn immer ist es einfacher einen bereits bekannten Weg zurückzugehen. Wir erweisen den ehrwürdigen Überresten des Ältesten, der hier um seine Seele zu retten als Eremit lebte, unsere Ehrerbietung. Das ist als allererstes der ehrwürdige Schädel des griechischen Ältesten Bartolomej, der hier in strenger Askese lebte: Er gab sich seinen Aufopferungen hin, indem er nie etwas Gekochtes aß.
 
Unter der Georgs-Mönchszelle befindet sich ganz versteckt eine kleine Hütte, die von außen gesehen eher an eine Hühnerstall erinnert. Wahrscheinlich gibt es niemanden, der sich daran erinnern kann, wer hier einmal als Eremit lebte. Etwas weiter unten befindet sich eine großzügige Höhle mit einem zusätzlichen kleinen Balkon. Hier lebte früher einmal der russische Priestermönch Serafim als Eremit, und das ist auch die einzige bekannte Information über die Bewohner dieser Höhle; neben der Tatsache, dass dort ja jetzt auch einer unserer Landsmänner die Schwierigkeiten eines Eremiten-Daseins über sich ergehen lässt. Jetzt ist das Klima in dieser Höhle eigentlich nicht unangenehm, aber wenn es heiß ist (…). Sie können sich vorstellen, wie es dort im Winter sein wird, wenn dort überall ein Klima der eisigen Fäulnis einzieht. Hier ist die ganze Karulja. Wir gehen wieder zurück zur Georgs-Mönchszelle und bedanken uns bei seinem russischen Bewohner für die Hilfe und das Gespräch und gehen wieder weiter hinunter zurück zu Vater Stefan. Morgens ist uns eingefallen, dass wir schon immer Vater Stefan fragen wollten, was das Wort Karulja eigentlich bedeutet. Wir hatten Gelegenheit verschiedene Erklärungen für die Karulja „zu sehen“. „Kommen Sie doch und sehen Sie hier nach. Nein dort ist sie nicht. Gehen sie etwas hinunter, und dann werden sie sie sehen.“ Als wir die Kaktusgewächse durchdrangen sahen wir ein kleines Plateau an dessen Ende über dem Abgrund unter einer steilen Felswand eine kleine Blockhütte an einer Böschung befestigt war. „Auf einer der Klippen, die im Meer endet, haben die alten Väter ein Seil angebracht, das oben mit einem Stein befestigt war. Und an seinem Ende haben sie einen Korb angebracht, den sie mit einem Holzrad nach unten, sogar bis zum Meer, herablassen. Fast immer – d.h. Tag und Nacht – hängt er etwa einen Meter über dem Wasser. Die fremden Schiffsfahrer und Boote der verschiedensten Klöster legen in den Korb barmherzige Gaben hinein, wenn sie am Korb vorbei fahren, und wenn sie nah dran sind: Die einen legen Brot, die anderen Linsen, Bohnen oder etwas anderes hinein. Jeden Abend geht einer von der Bruderschaft hinunter an die Stelle, an der das Seil an einem hohen Stein festgemacht ist und zieht den Korb zu sich heran. Unter Danksagungen an Gott nimmt er die Dinge, die er dort findet, an. Wenn nichts drin ist geht er ohne dabei zu murren wieder zur Bruderschaft zurück (…).“ Natürlich ist die Karulja heute nicht mehr dieselbe, so wie sie es früher einmal war. Auch wir sind nicht mehr die gleichen. Aber heute würde dieses kleine Körbchen leer bleiben auch wenn an ihm große Fischerboote und Schiffe vorbeifahren! Obwohl der Fischfang als auch Fahrten mit lauten Megaphonen in der Nähe der Strände des Heiligen Berges Athos verboten sind. Aber diejenigen, die das praktizieren, denen fällt es schwer dies zu bereuen, und ihre Sünde mit einer barmherzigen Gabe/ Almosen wieder auszugleichen. Obwohl wir Zeugen waren, als ein Schiff gen Strand fuhr und irgendjemand laut nach Vater Stefan rief, so hat auch unser Mönch eine (Waren-) Sendung mit Hilfe moderner Geräte bekommen, und nicht mit der Hilfe der Karulja. Der Vater sagte, dieser Mann helfe ihm regelmäßig, so dass die Karulja auch heute noch funktioniert.
 
Die Mönchszelle eines modernen russischen Bewohners auf der Karulja
 
Ja, sogar jede Art von täglicher Ruhestörung kommt noch dazu. Ein Mann, der früher einmal auf der Karulja lebte, erzählte, wie zu einer bestimmten Zeit, wenn man am Tisch saß, im immer demselben Moment eine Motorsäge sowie auch andere dem ähnliche Geräusche, die mit „dem Erbauen von etwas“, d.h. Bauarbeiten, zusammenhängen, zu hören war. Die „Arbeit“ würde dann immer fortgesetzt und immer zu derselben Zeit beendet. Sogar mir selbst gaben ständige Geräusche, die mir zu Ohren kamen, und die von irgendeiner unpassenden Feierlichkeit in einem Kurort herrührten, keine Ruhe. Bis zur Halbinsel Sithonia, auf der sich wirklich Kurbäder befinden, ist es sehr weit. Und die Möglichkeit, dass die Mönche vom Heiligen Berg Athos diejenigen hören, die dort spazieren gehen oder sich dort erholen, ist einfach auszuschließen. Tatsächlich sagte Vater Stefan, dass die Eremiten von den Fischern mit ihren Rufen und Gesprächen, wenn sie zum nächtlichen Fischfang aufbrechen, belästigt werden. Es ist offensichtlich, wer ihre Tätigkeit koordiniert, aber diese sind scheinbar charakteristisch für das orthodoxe Griechenland geworden.
 
Man sollte an dieser Stelle bemerken, dass uns die möglichen Versuchungen hier auf dem Heiligen Berg Athos interessierten. Denn in einer der autoritativen Zeitschriften wurden seiner Zeit die Erzählungen eines folgsamen Gehilfen, der schon vor langer Zeit die Karulja verließ, veröffentlicht: Darin wird beschrieben, dass hier Wallfahrern angeblich unglaubliche Versuchungen widerfahren. Diese Frage beunruhigte insbesondere Valeri, dem es gefiel auf der Strasse zu schlafen. Darauf antwortete uns Vater Stefan auf eine einfache und für Mönche richtige Weise: Als hier große Väter lebten, gab es hier auch große Versuchungen. Aber weil heute die Kraft zum Eremiten-Dasein geschwächt ist, gibt es auch weniger Versuchungen. Das ist in gewisser Weise langweilig, aber man kann es nicht deutlicher beschreiben. Auch wir erinnerten uns an eine Geschichte aus den Erzählungen über die Karulja, in der ein Eremit in einer Vision folgendes Szenario sah: Plötzlich sah dieser ein großes Schiff, auf dem eine nicht geringe Anzahl an Priestern und Mönchen standen, wobei er Schirmkappen, auf denen die Symbole von hohen Offizieren abgebildete waren, sowie irgendein Publikum erkannte. Und alle diese Menschen riefen nach dem Eremiten: Sie rufen ihn, um ihm zu sagen, dass er zum Patriarchen erwählt worden sei, und dass er mit dem Boot reisen muss. Der Eremit wunderte sich. Aber weil die Sache eben so war, machte er sich schnell zurecht, um die wichtigen Personen nicht lange aufzuhalten und rannte aus seiner Mönchszelle heraus. Aber dann hielt er an und bekreuzigte das Boot. Wie für alle offensichtlich ist, verschwand das Boot gerade in demselben Augenblick. Für uns alle ist dies klar. Aber wir werden auch solche Versuchungen haben, und was werden wir dann tun (…). Wenn so ein Eremit sich unsicher war, was sollen wir dann über uns – und wir sind „Babies in Bezug auf das geistliche Leben“ - sagen. In der Erzählung wird verschwiegen, wem dies widerfahren ist. Und wahrscheinlich werden viele weitere Dinge verschwiegen, die für uns sehr lehrreich wären. Aber, ach, wir wissen so wenig über das Leben der Väter vom Heiligen Berg Athos im 20. Jahrhundert. Ist die Revolution denn allein daran schuld? Auch die Aussagen von Zeitzeugen über die vorherigen Jahre sind ebenfalls äußerst dürftig. Jedoch kann man dem bereits Gesagten nur noch wenig hinzufügen.
Der Wallfahrer, der Ende des 19. Jahrhunderts die Karulja besuchte, hinterließ eine bewundernswerte Geschichte darüber, wie der hier lebende Älteste zwei Teodosije-Schüler von der Abkehr vom richtigen Glauben wieder hin zum richtigen Glauben führte. Aber darüber werden wir bei einer anderen Gelegenheit sprechen. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts lebte ein russischer Ältester in der Mönchszelle bei der Hauptkirche des Heiligen Großmärtyrer Georg auf der Karulja. Er war der geistliche Vater für alle Mönche, die den nahe gelegenen Klöstern angehörten. Sie nannten in Shi-Priestermönch Israil. Er hatte zwei Schüler: Es waren der Priestermönch Jona und der Mönch Isihija. Aber der Älteste musste aus uns unbekannten Gründen die Karulja verlassen und in den Skit des Heiligen Andrej umsiedeln. Der Archimandrit Teodorit schickte ihn in einen der Metoch-Skite auf die Insel Tasos, wo dieser auch starb. Für einen Mönch vom Heiligen Berg Athos ist es sehr traurig außerhalb der Erde des Heiligen Berges begraben zu werden. Und sogar so einem Eremiten, wie es Vater Israil war, war es nicht vergönnt sein Lebensende im Garten der Mutter Gottes zu erleben. Auch der Tod seines Schülers Vater Jona war schwer. Er war von kräftiger Statur. Als er sich dafür entschied ein Boot auf den Karulja-Strand zu ziehen fühlte er auf einmal, dass in ihm etwas gerissen war. Sie brachten ihn in das Kloster des Heiligen Pantelejmon, in dem er seine Todesstunde schnell erlebte. Gemäß den Erinnerungen der Väter vom Heiligen Berg Athos lebte neben dem Ältesten Israil auch der Archimandrit Onufrije als einsamer Eremit auf dem Berg Karulja. Er hatte genauso einen langen Bart bis zu den Knien wie sein gleichnamiger alter Heiliger Onufrije. Aber voneinander unabhängige Erzählungen von Zeitzeugen, die sich nur auf Namen und eine sehr ungenaue Datierung beziehen, verblassen in Bezug auf die Historie über die Karulja, die aus dem Tagebuch eines Mönches vom Heiligen Berg stammen. Es gelang mir Teilauszüge aus diesem Tagebuch in einer der Ausgaben der Zeitschrift „Der Geistlich nützliche Gesprächspartner“ zu finden.
 
Es handelt sich dabei um die Erzählung eines gewissen Priestermönchs Augustin, der ein ehemaliger Bewohner der Lavra des Sergej und der Heiligen Dreifaltigkeit war, und der sich in einer Eremiten-Mönchszelle auf der Kerasia niederließ. In seinem Schreiben an den Shi-Priestermönch Sergej am 30. September 1852 schreibt er folgendes: „Ich werde ihnen zu ihrem Nutzen ein Wunder erzählen, dass sich auf der Karulja ereignete. Ich war würdig gerade zu diesem Zeitpunkt dort anwesend zu sein. Es handelt sich um folgendes Ereignis: Am 17. Oktober war ich im Skit der Karulja, in dem der Älteste Jeftimije und sein Schüler und Fischer Lukijan als Eremiten lebten. Die ganze Zeit wollte der Älteste Jeftimije oben, dort wo die Kirche auf der Karulja ist, sein. Da der Älteste Jeftimije selbst nicht die Kraft besaß diesen Weg hochzuklettern, so hatte einer von uns, Vater Pahomije, sich innständig darum bemüht den Ältesten mitzunehmen. (Bereits früher wollten ihn viele irgendwie aus dieser Höhle auf eine schreckliche und gefährliche Art und Weise hoch bringen). Den kranken Ältesten packten sie auf ein Tuch und machten dieses auf den Schultern von Vater Pahomije fest. Und mit Gottes Hilfe brachte er Vater Jeftimije nach oben. Zu dieser Zeit sahen einer unserer Freunde - und sogar Vater Jeftimije selbst – auf einmal die Erscheinung eines Engel Gottes, der in der rechten Hand eine Feder und in der linken Hand ein Tuschefass und ein Stück Papier hielt. Er ging hinter ihnen her und schrieb etwas auf. Und als Vater Pahomije den Ältesten direkt an die steile Wand bzw. zur gefährlichen Stelle über dem Meer brachte, da erschien auf einmal ein zweiter Engel Gottes in einem weißen Gewand. Und während er durch die Luft schwebte, hielt er mit einer Hand den Altvater Jeftimije fest und flüsterte ihm dabei ins Ohr, dass er keine Angst vor irgendetwas haben sollte, während der erste Engel ebenfalls weiter schrieb. Als sie direkt auf den Gipfel der Karulja kletterten und den Kranken auf das Bett legten, trösteten die beiden Engel Vater Jeftimije: Sie schwebten ein wenig über seinem Bett und wiesen ihn darauf hin auf seine zukünftigen Schätze zu hoffen. Sodann wurden sie unsichtbar. Erinnern sie sich daran, dass ich Ihnen erzählte, wie der Teufel in der Gestalt eines Steinbockes erschien, und den Ältesten Jeftimije dazu drängte aus der Höhle herauszukommen, und darüber hinaus wollte er sich mit ihm prügeln. Das ist derselbe Älteste Jeftimije.“ Ja, es gab Älteste, und es gab den (geistlichen) Kampf! Ob man nun will oder nicht - an dieser Stelle erinnert man sich an Vater Stefan und an seine Erläuterungen zur Welt auf dem Heiligen Berg Athos. Wenn jemand auf dem Weg ging, auf dem Vater Pahomije den Ältesten hoch trug, so wird es diesem unglaublich erscheinen, wie es überhaupt möglich ist auf den Schultern einen anderen Menschen auf diesem engen Weg, auf dem der Fuß genau auf einen bestimmten Platz platziert werden muss und auf gar keinen Fall irgendwo einen Zentimeter daneben, transportieren kann. Das ist ein sehr riskantes Unterfangen. Wenn ein Mönchsleben nicht mit rationalen und weltlichen Maßstäben/Kategorien erklärt werden kann, dann ist das ein (wundersames) Ereignis. Warum begeben sich zwei Menschen in schreckliche Gefahr? Ist es aufgrund des Wunsches eines alten kranken Mannes? Aber die Erscheinung der Engel widerlegt das dies ein Wunsch war. Oder ist das die Liebe gegenüber der Kirche, gegenüber dem gemeinsamen Gebet, das durch die Sorge der Engel belohnt wurde? Oder spricht dieser Auszug aus den Erzählungen davon, dass die irdischen Engel dem Herrn so lieb sind, dass Er ihnen himmlische Engel zur Hilfe schickt? Wird auch ein schwieriger Weg durch die Hilfe so eines unsichtbaren Gesandten erleichtert?
 
Aber der Zeitpunkt unserer Rückkehr kam näher. Wir verabschieden uns von der russisch-serbischen Diaspora und von Vater H.. Jetzt bringt uns unser Schiff fort vom Karulja-Boden oder genauer gesagt von den Klippen. Werden wir die Gelegenheit haben eines Tages wieder diesen Boden zu betreten und auf ihr unsere Väter wiederzusehen? Gut, vielleicht werden es nicht diese hier erwähnten sein. Aber solche, die ihrer würdig sind. Die Sünden vermehren sich in der Welt. Aber trotzdem gibt es einen kleinen Gegenstrom: Es ist ein kleiner Strom, der diejenigen, die sich retten (möchte) auf die Küste der Karulja und an dieses gesegnete Ufer bringt. Genauso wie die Macht der Reue, die jede Sünde besiegt, einst den Räuber mit dem Segen des ehrwürdigen Atanasije hierher brachte. Und wer weiß wieviele von ihnen auf diese Weise hierher kamen. Und für wieviele von ihnen dieser Ort eine rettende Insel, ein Seil, das demjenigen ausgeworfen wird, der sich vor dem Ertrinken retten will, wurde. Das sollte sich die Welt merken!
 
„Hier leben Männer, die gutes Tun. Ich sprach und aß Brot mit ihnen, und ihre Predigten waren für mich von Nutzen. Unter ihnen war ein Ältester dem eine Hand fehlte, und der früher ein Verkehrspolizist war, als auch ein Seeräuber, der dort viele Jahre in Buße verbrachte, auch wenn man über ihn nichts wusste. Dann erinnerte ich mich an das große Erbarmen Jesu Christi und Seiner Worte aus dem Evangelium, die Er gegenüber Sündern, die Buße tun, hatte. Ich seufzte tief und erinnerte mich an meine Sünden, während ich den Allmächtigen bat mir selbst und jedem, der sich dies für sich wünscht, ein gutes Ende zu geben.“
 
Links und Kommentare
(1) Nach dem Tod von Vater Stefan gelang es mir schließlich folgenden kurzen Nekrolog in orthodoxen Zeitschriften zu veröffentlichen, wobei ich die Daten von Pavle Rak verwendete. Diese Informationen können in der Tat als die am Glaubhaftesten betrachtet werden.
 
Der Eremit vom Heiligen Berg Athos, Shi-Archimandrit Stefan von der Karulja, ist im Herrn entschlafen. Das ganze Leben des Ältesten vom Heiligen Berg Athos war eng mit dem russischen Brudervolk verbunden. Vater Stefan (Milković) wurde 1922 geboren. Er begann seine Ausbildung auf dem landwirtschaftlichen Institut/ (Schule). Das dort erlangte Wissen war ihm später, als er zu einem Mönch des Heiligen Berges Athos wurde, von großem Nutzen. Noch vor dem 2. Weltkrieg trat Vater Stefan als gehorsamer Gehilfe in das Kloster Tuman in Serbien ein, in dem sich zu dieser Zeit das russische Mönchstum seinen Aufopferungen widmete. Während des Krieges hielt er sich im Kloster Studenica auf. Nach den Worten von Vater Stefan wollten die Kommunisten ihn einmal erschießen, aber er schaffte es zu fliehen. Archimandrit Jovan (Radosavljević) bestätigt diesen Vorfall in seinen Erinnerungen über dieses Kloster in diesen Jahren. Zu dieser Zeit wurde Vater Stefan vom Bischof Nikolaj (Velimirovic) zum Diakon geweiht. Nach eigenen Aussagen kam Vater Stefan Anfang der fünfziger Jahre zu Fuß aus Serbien auf den Heiligen Berg Athos. Als aller erstes tritt er in das serbische Kloster Hilandar, in dem er sich kurz aufhielt, ein. Er lebte mit russischen Mönchen in Karyes und dann alleine im Kloster Alter Rusik. Daraufhin zog er auf die Karulja, einen Ort des strengsten/ härtesten Eremiten-Daseins der Mönche vom Heiligen Berges Athos. Dort verbrachte Vater Stefan fast 40 Jahre. Vater Stefan gehörte der Russischen Auslandskirche an, so wie auch andere Eremiten von der Karulja. Aber er empfing alle, die sich an ihn um einen Rat und um Hilfe wandten. Auf der Karulja führte Vater Stefan ein strenges Leben als Eremit. Er war in ganz Griechenland bekannt. Hunderte Menschen kamen zu ihm oder baten ihn schriftlich um Rat oder um Gebete. Während seines Aufenthaltes auf der Karulja hielt Vater Stefan täglich die Göttliche Liturgie ab. Dabei musste er sehr oft alleine dienen, denn in all diesen Jahren hatte er praktisch keinen Gehilfen, dem er aus Folgsamkeit auszuführende Aufgaben übertragen konnte. Vater Stefan war ein großer Beter. Und die Menschen wussten das, deswegen respektierten und liebten sie ihn. Hunderte von Namen erwähnte er jede Nacht, während er die Proskomidie durchführte, und dies tat er auswendig, d.h. oft ohne einen Aufschrieb. Er hatte eine große Anzahl von geistlichen Kindern in Griechenland, Serbien und Frankreich (Russen). Vier Broschüren verfasste er. In die Geschichte des Heiligen Berges Athos ging er aufgrund seiner leuchtenden Persönlichkeit ein, die in allem eine besondere Farbe hatte: Im Aussehen und in der lebendigen Auseinandersetzung mit hunderten von Gästen, sowie in den Aufopferungen als auch im Irrsein um Jesu Christi willen. Vater Stefan war manchmal verrückt um Jesu Christi Willen. Manchmal jedoch war er ernst und teilte seine Erfahrungen, die er über das Leben auf dem Heiligen Berg Athos sammelte, mit denjenigen, die dafür aufnahmefähig waren. Mit der Zeit erfasste das Irrsein um Jesu Christi Willen seine gesamte Persönlichkeit und verstärkte sich wegen seiner Ohnmacht und Krankheit, die er aufgrund seines Alters hatte. Viele Menschen, die das Mönchsleben schlecht kennen und die unfähig sind die Aufopferungen eines Eremiten zu bewerten, der auf der kargen sogar als schrecklich benannten Karulja lebt, empfanden sein Verhalten als anstößig und waren dadurch irritiert. Vor etwa drei Jahren zerstörte ein Brand die Mönchszelle von Vater Stefan und der Älteste musste zwei Winter lang in einer Höhle überleben. Von dort aus brachten sie ihn nach Serbien, ins Kloster Slanci bei Belgrad, das ein Metoch von Hilandar ist. Am Feiertag Maria Tempelgang im Jahre 2001 erlebte Vater Stefan dort sein Ende.
 
(2) Gemäß den Überlieferungen von der Karulja stammte Vater Partenije vom Geschlecht der Romanov ab, d.h. er war mit dem Zaren verwandt. In der 25. Ausgabe der Zeitschrift „Der russische Wallfahrer“ wurden die Erinnerungen, die der Shimönch Makarije über die Mönche von der Karulja hatte, veröffentlicht. Über Vater Partenije steht dort folgendes: „Er ist eine geheimnisvolle Persönlichkeit. Es wurde bekannt, dass er der bekannten Fürstenfamilie angehörte. Nur sehr selten empfing er jemanden in seinem kleinen Häuschen, in dem es auch eine kleine Kirche gab. Oft hielt er die Heilige Liturgie ab. Dabei half ihm der Shimönch Zosima von der Karulja, der sang und am Gesangspult las. Anderen erlaubte er es nicht anwesend zu sein, solange er die Heilige Liturgie abhielt. Einmal war ich würdig, dass er mich in seinem kleinen Haus empfing. Bei einer Tasse Tee wurde mir in dem Gespräch mit ihm deutlich bewusst, dass er kein gewöhnlicher Mensch war. An dieser Stelle möchte ich mich nicht an unserem gemeinsamen Gespräch aufhalten, aber er war ein Eremit, der das geistliche Gebet praktizierte. Die Konzentration seiner Gefühle und seine „Nicht-Bindung“ an diese Welt sprachen allein für sich. Dadurch war er auch für uns, die wir uns retten wollen, ein Vorbild. Sein kleines Haus mit der kleinen Kirche befand sich unten unweit vom Meer, und es war von einem Zaun umgeben. Man sieht es gut von der Mitte des Weges aus, auf dem Vater Partenije gewöhnlich spazieren ging und sein Gebetsarmband mit sich trug. Er starb leise und ruhig, d.h. unbemerkt. So wie sein Leben war, so war auch sein Tod.“
 
(3) „Wenn Du der Stimme des Zaren nicht folgst, dann wirst Du vor Gott für das Blut deiner verwandten Völker, die Du retten konntest, aber die Du nicht retten wolltest, zur Verantwortung gezogen. Du wirst auch für die Zerstörung und die Entweihung der Kirchen Gottes verantwortlich gemacht werden (…). Ich werde es wagen zu sagen, dass die Liebe gegenüber dem Nächsten Gott lieber ist als die eifrige Sorge über die Rettung der eigenen Seele“, das sind die Worte dieses Ehrwürdigen.
 
(4) Vater Nikon hatte eine nicht weniger undurchschaubare Persönlichkeit als Vater Partenije. Am Ende gelang es uns auf der Karulja nicht nur seine Fotografie, sondern auch seinen griechischen Pass, der leider zu wenige Informationen enthielt, zu finden. Er war von seinem Beruf her ein Priestermönch. 1935 – 1936 reiste er nach Serbien. Das ist gar nicht verwunderlich, da er gemäß den Informationen aus der Zeitschrift „Der russische Wallfahrer“ in der Emigration in Serbien lebte. Dort legte er auch sein Mönchsgelübde ab. Daneben war der russische Gesandte sein gebürtiger Bruder. Aus dieser Zeitschrift erfahren wir weiter, dass Vater Nikon seinem Mönchszellen-Nachbarn Vater Makarije über Alaska erzählte. Vater Nikon war auf den Alaid Inseln, auf der Insel Afognak, das neben der Elf Insel liegt, und auf der der ehrwürdige German sich seinen Aufopferungen hingab/ als Eremit lebte. Damals lebte dort der tulische Mönch Gerasim, der zu seiner Zeit auch auf dem Heiligen Berg Athos war. Die einzige verlässliche Information aus dem Pass des russischen Mönchs ist die, dass er 1873 geboren wurde. Die Aufschrift über seinem Kopf, der sich in dem Gebeine-Raum auf der Karulja befindet, zeigt, dass er als 90jähriger verstorben ist. Tatsächlich sind diese Informationen in gewisser Weise gegensätzlich zu den Informationen, die in dem Bericht über die Versammlung der Bischöfe der Russischen Auslandskirche, „Der Heilige Berg Athos und sein heutiger Zustand“, vom Erzbischof Averkije (Tauševa) stehen: „Darüber, auf der Karulja (…), dort wo die Russen 3 Kirchen aufbauten, geben sich sogar heute noch 7 Mönche ihren Aufopferungen hin und leben dort als Eremiten. Davon sind 2 Priestermönche, von denen einer 79 Jahre und der zweite 69 Jahre alt ist, wobei beide dienen. Dann gibt es noch einen 78jährigen und einen 80jährigen Mönch, einen 58jährigen und einen 60jährigen Mönch sowie noch einen jüngsten Priestermönch, der 48 Jahre alt ist.“ (1.10.1962)
 
S. Boljšakov gab in Brüssel ein kleines Buch über das Jesus-Gebet heraus. Es enthält sein Gespräch mit dem Bibliothekar des Klosters Dionysiou Vater Jeftimije: „Und das Gebet kommt von selbst und läuft wie ein Bach: Egal ob Du arbeitest oder schläfst. Ich schlafe zwar, aber mein Herz betet weiter und wacht, so dass nicht einmal Worte noch Gedanken erforderlich sind, und Dein ganzes Leben wird zu einem Gebet. Das ist es, was Dir Vater Dorotej über Jovan Moldavski sagt.“
„Existieren denn solche Menschen, wie Vater Jovan es ist?“ „Ja, diese existieren. Nicht weit von hier entfernt, dort auf dem Heiligen Berg. Auf der Karulja gibt es Eremiten, und einige von ihnen sind schnell vorangekommen (…).“
Das war 1951. Wer weiß, vielleicht bezogen sich diese Worte auf Vater Nikon.
 
(5) Gemäß der Stellungnahme der Zeitung „Radonjež“ ist Prinz Charles zum orthodoxen Glauben übergetreten.
 
Dieser Text wurde von folgender Webseite übernommen: 
 
Übersetzung aus dem Russischen: Dr. Radmila Maksimović
Übersetzung aus dem Serbischen: A. Dimitrijević
 

Pročitano: 2923 puta

ARCHIMANDRITE GAVRILO

Liebe Besucher unserer Webseite des Klosters Lepavina! Aufgrund der hohen Besucheranzahl unserer Webseite, fühle ich mich geehrt die Verantwortung zu übernehmen, Ihnen unterschiedliche Ereignisse aus der serbisch orthodoxen Kirche und des Klosters Lepavina auf Deutsch zu beschreiben. Wir möchten Sie gerne darüber informieren, dass wir auch einige deutsche Texte über verschiedene Themen, die bei anderen orthodoxen Websites zu finden sind, demnächst auf unserer Website präsentieren werden. Ich hoffe sehr und glaube daran, dass der Herr mir dabei helfen wird.

Mit dem Segen des Herrn, aus dem Kloster Lepavina, Archimandrit Gavrilo

Krst
Njegovo Visokopreosvestenstvo Mitropolit G. Porfirije

Njegovo Visokopreosveštenstvo Mitropolit G. Porfirije

Otac Gavrilo

BIOGRAFIJA OCA GAVRILA

Manastirski Casopis PDF

MANASTIRSKI
ČASOPIS - PDF